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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 03:08 Uhr

Rehjagd auf A20 : Protest gegen Reh-Abschuss

vom

Jäger kritisieren Vorgehen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr. Ministerium rechtfertigt Rehjagd auf A20

von
erstellt am 28.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Vorwürfe gegen das Landesamt für Straßenbau und Verkehr werden immer lauter. Dieses hat veranlasst, dass am morgigen Samstag die Rehe von der Autobahn 20 in einer dreistündigen Aktion geschossen werden sollen. Dagegen erheben jetzt sogar Jäger aus MV Vorwürfe. Grund: Die bis zu sechs Ricken könnten trächtig sein, vielleicht sogar schon Nachwuchs haben.

„Ich bin Jäger, aber kein Mörder“, empörte sich gestern ein Leser. „Für das Rehwild gilt im Moment Schonzeit. Die Ricken sind jetzt tragend. Das heißt, die schießen die Kitze gleich mit tot“, so der Schweriner. Aufgabe eines Jägers sei jedoch die Hege und Pflege der Tiere.

Erst am Dienstag hatte die Straßenbauverwaltung mitgeteilt, dass morgen der Autobahnabschnitt zwischen Dummerstorf und Sanitz (Landkreis Rostock) von 11 bis 14 Uhr gesperrt wird. Dann sollen zwei Jäger auf einem Räumfahrzeug des Straßenwinterdienstes die Strecke abfahren und Jagd auf die Rehe machen. Seit etwa einem Jahr tummeln die sich zwischen dem Wildschutzzaun und der Fahrbahn. Versuche, sie zu vergrämen, sind immer wieder fehlgeschlagen. Nun hat die zuständige Jagdbehörde für diesen Termin das Jagdverbot auf dem Abschnitt aufgehoben (wir berichteten).

Auch Gerhard Kusch, Vorsitzender des Rostocker Kreisjagdverbands, ist mit der Entscheidung so unzufrieden. Seine Empfehlung an das Landesstraßenbauamt war es, die Schonzeit der Tiere noch abzuwarten. Die gilt laut der Jagdzeitenverordnung von MV von Mitte Januar bis Anfang September. In dieser Zeit sollen die Ricken ihre Kitze zur Welt bringen und aufziehen können. „Mein Vorschlag war, solange die Geschwindigkeit auf der Strecke auf 70 bis 80 Stundenkilometer zu reduzieren“, sagt Kusch. Doch auch das sei keine alternative Lösung gewesen. „Wenn die Ricken in diesem Bereich ihre Kitze setzen und bei einem Unfall sterben, dann verendet der Nachwuchs elendig.“

Eine zeitweilige Geschwindigkeits-Reduzierung sei auch laut dem Verkehrsministerium in Schwerin nur schwer umzusetzen gewesen. Der Termin für die Jagd sei gesetzt. Die Autofahrer müssten vor einem Zusammenprall mit den Tieren geschützt werden, teilt ein Sprecher des Ministeriums mit. Dafür müsse nun auch in Kauf genommen werden, dass die Rehe tragend sind.

Laut dem Jagdgesetz ist es Jägern im Normalfall verboten, trächtige und Muttertiere zu erschießen. Bei Missachtung ist mit hohen Geldstrafen zu rechnen. Erst im Februar wurde ein Jäger vom Amtsgericht Neuruppin zu einer Geldstrafe von 8400 Euro verurteilt, weil er vier weibliche Wildschweine erschossen haben soll, die noch Frischlinge gesäugt hatten.

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