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Tourismus vs. Geschichte : Prora Thema im Bildungsausschuss

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Gegenwind für einseitige touristische Erschließung von Prora: Ort soll als authentischer Erinnerungsort erhalten bleiben, fordert die Linksfraktion.

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Die Linken warnen vor einer einseitigen Entwicklung der NS-Hinterlassenschaft Prora zu einem touristischen Kurort. Die Linksfraktion will deshalb Prora im Bildungsausschuss zum Thema machen und fordert ein stärkeres Engagement des Landes, um die historisch-politische Arbeit am Standort künftig zu gewährleisten.

Vor einer Woche hatte die Gemeindevertretung von Binz beschlossen, für Prora den Titel „Seebad“ zu beantragen. Das Bildungsministerium solle darüber informieren, wie vor diesem Hintergrund künftig gewährleistet wird, dass Prora als authentischer Erinnerungsort erhalten bleibt, sagte der kulturpolitische Faktionssprecher Torsten Koplin am Mittwoch.

Während in den an Privat-Investoren verkauften Blöcken 1 bis 4 rund 1000 Eigentums- und Ferienwohnungen entstehen, sehen sich das Dokumentationszentrum und das Prora-Zentrum, die die NS- und DDR-Geschichte des Areals dokumentieren, vor einer unsicheren Zukunft.

Auch der letzte in öffentlicher Hand befindliche Block der einst von den Nationalsozialisten als „KdF-Seebad der 20 000“ geplanten Anlage soll nun an Privatinvestoren verkauft werden. Der Landkreis Vorpommern-Rügen als Eigentümer hatte dies Ende Januar angekündigt, obwohl seit 2012 eine Machbarkeitsstudie vorliegt, nach der in diesem Block für fünf Millionen Euro eine Bildungsstätte eingerichtet werden könnte. Nach Angaben des Kreises ist eine Finanzierung des Vorhabens allerdings gescheitert.

Das Prora-Zentrum kann eigenen Angaben zufolge bereits in diesem Sommer wegen Baufälligkeit diesen Block nicht wie in den Vorjahren für seine Ausstellung nutzen und hat als Ausweichmöglichkeit den 1989 gebauten Kontrollbereich hergerichtet. In dem Flachbau vor dem Block befanden sich neben der Wache auch Arrestzellen, in denen Bausoldaten interniert wurden. „Unser gemeinsames Ziel mit dem Dokumentationszentrum ist die Einrichtung einer Bildungsstätte“, erklärte die Chefin des Prora-Zentrums, Susanna Misgajski.  Die Nationalsozialisten hatten nördlich von Binz direkt am Ostsee-Strand eine riesige Ferienanlage geplant und dafür 1936 mit den Arbeiten begonnen. In Prora sollten die Massen im Erleben eines preiswerten Ostseeurlaubs gleichgeschaltet und auf Systemtreue getrimmt werden. Die Arbeiten an der 4,5 Kilometer langen Anlage wurden mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eingestellt, der Bau wurde nicht vollendet. Die Nationale Volksarmee übernahm nach Kriegsende das Areal und baute es aus. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde der Bund Eigentümer. Er verkaufte die Blöcke an Privatinvestoren.

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