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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 06:45 Uhr

Rügen : Prora-Block 1 unterm Hammer

vom

Wenn heute gegen Mittag im Berliner Meistersaal im Borsigturm der Hammer fällt, dann dürfte das renommierte Auktionshaus Karhausen eine seiner spektakulärsten Versteigerungen zum Abschluss gebracht haben.

svz.de von
erstellt am 31.Mär.2012 | 09:52 Uhr

Wenn heute gegen Mittag im Berliner Meistersaal im Borsigturm der Hammer fällt, dann dürfte das renommierte Auktionshaus Karhausen eine seiner spektakulärsten Versteigerungen zum Abschluss gebracht haben. Denn mit Auktionslos Nummer 69 wird erstmals einer der Mega-Blöcke von Prora auf Rügen zum Verkauf angeboten.

Für die 500 Meter lange Immobilie, die in den 30er-Jahren Teil des Kraft-durch-Freude-Bades der Nazis werden sollte, sei ein Mindestgebot von 798 000 Euro festgesetzt worden, sagte Auktionator Mark Karhausen. Experten gehen davon aus, dass für die Super-Immobilie unmittelbar am Ostseestrand sogar noch mehr geboten werden könnte. Denn für den Sechs-Etagen-Komplex gilt bereits Bebauungsrecht. Der neue Investor könnte in dem Riesenbau bis zu 200 Wohnungen, ein Hotel und Dienstleistungsbereiche unterbringen und die Seeseite des Gebäudes mit bädertypischen Balkonen aufwerten.

Vor sechs Jahren hatte der Bund die Blöcke 1 und 2 an Ulrich Busch und Johann Christian Haas für jeweils 300 000 Euro verkauft. Die Käufer planten als Prora Projektentwicklungs GmbH für 100 Millionen Euro 400 vor allem altersgerechte Wohnungen und ein 400-Betten-Hotel. Doch während Busch an seinem Teil des Gemeinschaftsprojekts festhält, gingen dem Partner offenbar angesichts des gigantischen Sanierungsumfangs die Mittel aus. Nun soll der Meistbietende in das Projekt einsteigen.

Busch, der bereits das Smart Hotel im benachbarten Binz betreibt, gibt seinen Teil des Vorhabens nicht auf, plant nun jedoch eine abgespeckte Variante. Zusammen mit einem Baukonsortium soll Block 2 mit 30 Millionen Euro aufgemöbelt werden. Nach jahrelangen Verzögerungen sollen die Bauarbeiten angeblich noch im Frühjahr beginnen. Vorgesehen sind 200 Wohnungen für Feriengäste und Einheimische sowie ein Hotel mit 380 Betten, Schwimmbad und Wellnessbereich.

Der scheibchenweise Verkauf des unter Denkmalschutz stehenden Komplexes, den die Nazis nie in Betrieb nahmen, stößt seit Jahren auf heftige Kritik von Historikern. Nun sei auch noch zu befürchten, dass Prora zum Spekulationsobjekt verkomme, sagt Jürgen Rostock, Leiter des Dokumentationszentrums im inzwischen ebenfalls verkauften Block 3. Seine Mitarbeiter bangen Jahr für Jahr, vom neuen Investor vor die Tür gesetzt zu werden. Die Inselbogen GmbH will dort ein Freizeit- und Sporthotel etablieren, doch getan hat sich bislang kaum etwas.

Mit Ausnahme der Jugendherberge, die vor einem Jahr in einem mit Steuergeldern umgebauten Teil des Blocks 5 eröffnet wurde, verwahrlost die Riesenimmobilie auf Rügen immer mehr. Auch die jetzt anstehende Versteigerung bietet nach Ansicht von Denkmalpflegern kaum Garantien für eine angemessene Sanierung und Nutzung. Im Gegenteil, fürchtet Rostock. "Bei einer Privatauktion ist auch nicht auszuschließen, dass sich rechte Gruppierungen einkaufen."


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