Bundestagswahl 2017 : Promis zeigen Haltung

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Prominente schalten sich in den Wahlkampf ein – hat so etwas überhaupt Einfluss auf den Wähler?

svz.de von
09. September 2017, 06:00 Uhr

Das Berliner Model Sophia Thomalla ist in der Vergangenheit schon wegen des einen oder anderen kleinen Skandals aufgefallen. Große Aufmerksamkeit bekam die 27-Jährige zuletzt aber, als sie sich als CDU-Mitglied und Fan von Kanzlerin Angela Merkel outete. Ausgerechnet, weil Merkel „absolut skandalfrei ist“, wie Thomalla es nennt. Sie unterstützt die Kampagne für Merkel im Netz mit Symbolen, sogenannten Emojis, die zusammen „I love Raute“ bedeuten. Merkel, deren zu einer Raute geformten Hände schon legendär sind, biete eine gewisse Sicherheit und werde sich immer im Griff haben. „Das finde ich großartig für eine Kanzlerin“, sagt das Model.

Auch weitere bekannte Gesichter aus Fernsehen, Show, und Sport kündigten an, für Merkel und die CDU zu stimmen. Besonders unter Fußballern scheint die Kanzlerin Fans zu haben: Arne Friedrich unterstützt die Kampagne ebenso wie Hans Sarpei. Und auch Toni Kroos twitterte nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Schulz: „Es lebe Angie!!“ Von den Schauspielern Heiner Lauterbach („weil sie uns durch alle Krisen geführt hat“) und Uschi Glas („weil sie Klasse und Humor besitzt“) gibt es ebenso Bilder mit den „I love Raute“-Emojis auf der offiziellen Seite der Kampagne „unterstuetzt-merkel“.

Andere Promis werden nach eigenen Worten die SPD wählen: Schlagersänger Roland Kaiser erklärt in einem Unterstützervideo, er glaube Martin Schulz und dessen Einsatz für mehr Gerechtigkeit. Schauspielerin Iris Berben sagte kürzlich: „Lieber Martin Schulz, auf mich können Sie zählen.“ Auch ihre Branchenkollegen Leonard Lansink („Wilsberg“), Judith Döker („Die Rosenheim-Cops“) und Hans-Werner Meyer („Unterm Radar“) unterstützen Martin Schulz offiziell. Clemens Schick („Das finstere Tal“) sagte nach dem TV-Duell, Schulz habe ihn begeistert.

Aber warum treibt uns das eigentlich um? Beeinflusst eine politische Festlegung von Menschen, die wegen ihres Aussehens, ihrer Schauspiel- oder Fußballkünste begeistern, auch andere Wähler in deren politischer Entscheidung?

Wissenschaftler haben schon bei der Präsidentschaftswahl 2016 in den USA einen Effekt ausgemacht: Es liegt vor allem an der Aufmerksamkeit, die eine solche Parteinahme für einen Kandidaten mit sich bringt. Experten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg stellten nach dem Wahlsieg Donald Trumps im vergangenen Herbst in den Medien einen klaren Schwerpunkt der Aufmerksamkeit bei dem Republikaner fest. Sie interessierten sich vor allem für ihn – obwohl viele Prominente Hillary Clinton empfahlen.

Dass so viel über den ursprünglichen Außenseiter berichtet wurde, habe indirekt zu seinem Wahlerfolg beigetragen. Seine Botschaften wurden stärker als die seiner Herausfordererin Clinton verbreitet, meinten Kommunikationswissenschaftler nach der Wahl. Es geht also darum, Interesse zu erwecken. Insofern könnte die erhaschte Aufmerksamkeit durch Promi-Äußerungen den Kandidaten jedes Mal Stimmen bescheren.

So denkt offensichtlich auch der TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf, der selbst zwar kein SPD-Mitglied ist, sich aber schon öfter eindeutig zur SPD positioniert hat. Als Prominenter müsse man Haltung zeigen, meinte er. „Ich werfe es auch jedem vor, der das nicht tut“, sagte der Moderator kürzlich im Magazin „Der Spiegel“.

Dort kritisierte er auch die Bundeskanzlerin. Er glaube nicht, dass sie wirklich gegen die Homo-Ehe sei, auch wenn sie bei der Abstimmung im Bundestag Ende Juni gegen die Öffnung der Ehe für alle gestimmt hatte. „Ich halte sie für moderner. Aber ihr Taktieren finde ich ganz schön übel, nur aus Angst, konservative Parteimitglieder zu verprellen“, sagte Heufer-Umlauf.

Comedian Ingo Appelt ist vor allem genervt von der Kanzlerin: „Ich kann Merkel einfach nicht mehr sehen und ich möchte keine Angie-Witze mehr machen“, sagte er. Auch Appelt unterstützt Martin Schulz und die SPD offiziell mit einem Video auf YouTube.

Ob sie nun ihr Kreuzchen bei der SPD oder der CDU machen – eines machen die prominenten Unterstützer alle: Sie zeigen Haltung und gehen wählen. Und nutzen ihre Prominenz, um andere zu überzeugen, zur Wahl zu gehen.

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