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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 10:34 Uhr

Schwerin : Profiboxen im alten Wasserwerk

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer nimmt den Bau eines eigenen Gyms in Schwerin in Angriff. Das Objekt wurde von den Stadtwerken gekauft

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Das Profiboxen hat in Schwerin bald ein eigenes Dach über dem Kopf. Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer hat das alte Wasserwerk Lankow von den Stadtwerken gekauft und will dort ein Profi-Gym errichten. „Bisher gibt es aber nichts Konkretes“, sagt Bernd Nottebaum, Schwerins Baudezernent. „Für Veränderungen in der sensiblen Wasserschutzzone Gosewinkler Weg ist ein Bebauungsplan notwendig. Wir haben Herrn Brähmer und seinen Anwalt zu vorbereitenden Gesprächen eingeladen.“

Brähmer hätte das Gym am liebsten schon im Frühjahr bezugsfertig, möglichst zeitnah zu seinem Rückkampf gegen Nathan Cleverly. Der Waliser hatte ihm am 1. Oktober 2016 den WM-Gürtel im Halbschwergewicht nach Version der WBA entrissen, als Brähmer zur siebten Runde wegen einer Ellbogenverletzung nicht mehr antreten konnte. Seither brennt der 38 Jahre alte Schweriner darauf, sich den Titel zurückzuholen. Das vertraglich vereinbarte Rematch gegen Cleverly soll im Frühjahr steigen. Wann und wo, das steht noch nicht fest.

Derzeit „gastiert“ die Sauerland-Trainingsgruppe von Brähmer und seinem Trainer-Kompagnon Conny Mittermeier, der seit einem Jahr auch als Brähmers Trainer fungiert, in der Schweriner Boxhalle am Lambrechtsgrund, wo auch der Box-Bundesstützpunkt unter Trainer Michael Timm zu Hause ist. Brähmer und Timm sind einander seit vielen Jahren eng verbunden. Unter dem heutigen Schweriner Chefcoach war Jürgen Brähmer schon 2009 als Profi des inzwischen untergegangenen Hamburger Universum-Stalls WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht geworden.

Das Neben- und Miteinander von Profis und Amateuren in der Boxhalle funktioniert auch heute bestens. Nicht zuletzt, weil beide Seiten durchaus befruchtend aufeinander wirken und einander zum Beispiel in Sachen Sparring häufig wirkungsvoll ergänzen.

Bislang steht man sich auch nicht auf den Füßen. Mit dem frischgebackenen Weltmeister Tyron Zeuge, dem von Mittermeier mitgebrachten Timo Schwarzkopf sowie den beiden Schweriner Ex-Amateuren Denis Radovan und Araik Marutjan, der im Dezember zu den Profis übertrat, ist die Brähmer-Truppe noch recht überschaubar.

Das soll sich allerdings – auch nach den Plänen des Sauerland-Stalls – in absehbarer Zukunft ändern. Deutschlands Box-Promoter Nummer eins hat mit dem Jahreswechsel einen Strategiewechsel vollzogen. Zum einen strebt man aus Berlin heraus und setzt beim Dezentralisieren auch große Hoffnungen in Schwerin. Zum anderen arbeitet Sauerland statt mit angestellten nun mit freiberuflichen Trainern.

Das war zum Beispiel ein wesentlicher Grund, warum der Schweriner Karsten Röwer dem Profiboxen ade sagt. Als Selbstständiger hätte er die Kosten für die Berliner Boxhalle, in der er seine Schützlinge seit Jahren trainierte, fortan selbst stemmen müssen. „Damit gehst du als Trainer ins Risiko. Das kannst du machen, wenn du Weltmeister hast und entsprechende Kampfbörsen zu erzielen sind, so wie früher mit Sebastian Sylvester und Jürgen Brähmer. Aber nicht, wenn du Profis erst aufbaust“, sagte der 54-Jährige. Nach dem vorjährigen Weggang von Brähmer und auch Zeuge aus seiner Trainingsgruppe waren zuletzt Enrico Kölling und Vincent Feigenbutz – beide auf dem Weg nach oben, aber beide längst nicht am Ziel – die Zugpferde der Röwer-Truppe. Der zog die Konsequenz und sich selbst zurück in seine Heimatstadt Schwerin.

Nach etlichen Jahren in der Weltspitze mit allein zwölf WM-Kämpfen, von denen er zehn gewann, hat Ex-Champion Brähmer einen ganz anderes finanzielles Polster und mit Tyron Zeuge im November ja auch schon einen eigenen Athleten zu Weltmeisterehren geführt. Dieser Erfolg des Trainer-Novizen, der in dem Ruf steht, ausgetretene Pfade zu verlassen und jede Menge Neues zu versuchen, sowie seines erfahrenen Trainer-Partners Conny Mittermeier zieht längst auch andere Boxer an. „Wir haben so viele Anfragen, dass es unseren Rahmen sprengen würde, wenn wir die Boxer alle aufnehmen wollten“, sagt Brähmer.

Das alte Wasserwerk hatte er übrigens schon länger im Blick. Im März 2016 hatte er dort vor seinem WM-Kampf gegen Eduard Gutknecht einen Werbetrailer für die Live-Übertragung des Kampfes auf SAT.1 gedreht. Den Kampf hatte er sicher gewonnen. Ein gutes Omen für das neue Gym!

 

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