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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 10:26 Uhr

Drogen : Profi-Hanfanbau mit Onkels Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Drogenprozess vor dem Schweriner Landgericht bleiben den vier Angeklagten Haftstrafen vermutlich erspart

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 07:45 Uhr

Sie haben Hanfplantagen im großen Stil betrieben. Doch sie scheinen glimpflich davonzukommen. Gestern hat Staatsanwalt Thomas Bardenhagen im Prozess am Schweriner Landgericht auf Bewährungsstrafen für alle vier plädiert. Die vier – das sind ein Ehepaar und zwei Männer. Das Paar, das mit seinen Kindern bei Wismar lebt, pflegte auf seinem Anwesen eine „Profi-Anlage“, wie die Ermittler alle Plantagen mit mehr als 1000 Pflanzen nennen. Rund 2000 Cannabis-Pflanzen hatten die Beamten bei der Durchsuchung im Oktober 2013 dort entdeckt. Die Familie stammt aus Düsseldorf, wie auch der Onkel der 43-jährigen Frau. Dieser, ein 52-jähriger früherer Bauarbeiter, hat sich vor allem um die Technik und um den Absatz des Marihuanas gekümmert. In ihm sieht der Staatsanwalt den Kopf der Bande.

Der 45-jährige gebürtige Wismarer schließlich soll auf seinem nur wenige Kilometer entfernten Gehöft rund 800 Hanfpflanzen aufgezogen haben, immerhin noch eine Groß-Plantage. Alle vier haben schon zu Prozessbeginn in der Vorwoche ihre Tatbeteiligung eingeräumt. Zuvor hatten sich Richter, Verteidiger und Staatsanwalt auf einen „Deal“ geeinigt: Bewährungsstrafen gegen glaubhafte Geständnisse. Und gegen Zusatzinformationen. Die lieferte das Quartett.

So fiel der Name eines Großabnehmers aus Nordrhein-Westfalen. Alle vier haben unterschiedlich lange in Untersuchungshaft gesessen. Bis auf den „Onkel“ sind sie nicht vorbestraft. Der 52-Jährige ist zweimal zu Geldstrafen verurteilt worden – wegen Waffenbesitzes und wegen Trunkenheit im Straßenverkehr.

So geht es nun im Grunde nur noch um Details. Zum Beispiel darum, wie viel Gewinn jeder Einzelne aus den Geschäften erzielte. Die Summe nämlich will der Staat haben. Für bis zu 3400 Euro haben die Angeklagten nach eigenen Angaben das Kilo Marihuana auf den Markt gebracht.

Die Staatsanwaltschaft hatte Bargeld und ein Luxusauto bei der Durchsuchung sichergestellt und Kontobewegungen unter die Lupe genommen. Nach all dem soll der 45-jährige Mecklenburger nun 97 000 Euro in die Staatskasse zahlen. Rund 7500 Euro das Paar, das angab, Kinderzimmer für das Drogengeld erworben zu haben. Und der Onkel knapp über 10 000 Euro. Für die beiden Männer forderte der Staatsanwalt mit jeweils zwei Jahren die höchsten Strafen. Nur ein Tag mehr – und „Bewährung“ wäre nicht mehr möglich.

Aufmerksam geworden sind die Ermittler auf das Quartett nach einem Hinweis „aus der Bevölkerung“, wie es vage hieß. Observationen und Telefonüberwachungen mündeten schließlich in den Festnahmen. Der Staatsanwalt sprach in seinem Plädoyer von der „Spitze des Eisberges“. Die Verteidiger forderten ebenfalls Bewährungsstrafen. Das Gericht will die Urteile am heutigen Dienstag verkünden.

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