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Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald : Prof. Rechts vergibt Titel an Dr. Nazi

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ralph Weber, Professor für Zivilrecht in Greifswald, war Doktorvater vom Frontmann einer ehemaligen Neonazi-Band

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Bisher fiel der studentische Protest gegenüber Ralph Weber eher verhalten aus. Das könnte sich nun aber ändern, meinte Anna-Lou Beckmann, Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Gegen den Jura-Professor der Rechts-Fakultät werden schwere Vorwürfe erhoben. Und das nicht zum ersten Mal.

Weber soll nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) Ende Februar möglicherweise einen Neonazi promoviert haben. Der gebürtige Brandenburger Maik Bunzel schrieb demnach an Webers Lehrstuhl seine Doktorarbeit mit dem Titel „Der privatärztliche Vergütungsanspruch gemäß der GOÄ im Spannungsfeld des medizinischen Fortschritts“. Doch Bunzel ist längst nicht unbekannt. Der Jurist war früher unter anderem Frontmann der Neonazi-Band „Hassgesang“. Drei Tonträger der Band wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt und unterliegen einem „absoluten Verbreitungsverbot“. 2004 wurde Bunzel außerdem wegen Volksverhetzung verurteilt. Nun trägt er einen Doktortitel.

Die Hochschulleitung sei über den Vorfall entsetzt. „Die Universität Greifswald steht für Weltoffenheit und Toleranz und spricht sich gegen Fremdenfeindlichkeit aus“, heißt es in einer Stellungnahme. Über die Rolle des Professors Ralph Weber in diesem Fall wollte sich die Uni nicht äußern. Bekannt ist jedoch, dass Weber selbst wegen seiner rechten Gesinnung seit vielen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen gerät. 2010 kam es an der Uni zum Eklat, weil der Zivilrechts-Professor mit rechtslastigen Äußerungen aufgefallen war. Unter anderem soll er vor der Übermacht des Islams gewarnt haben und öffentlich Thor-Steinar-Kleidung getragen haben, die als Erkennungszeichen unter Rechtsextremen gilt. Das Kulturministerium hatte die Uni-Leitung daraufhin aufgefordert, disziplinarische Maßnahmen zu erwägen. „Ich bin rechts, aber nicht rechtsextrem“, hatte sich Weber damals verteidigt. Bei den Landtagswahlen in MV im Herbst kandidiert er für die AfD.

Studenten hätten beim AStA zuletzt mehrmals zweideutige oder diskriminierende Kommentare in den Vorlesungen ihres Professors kritisiert. Daraufhin sei ein Fachschaftsrat einberufen worden. Bisher hätten sich die Vorwürfe jedoch nicht erhärtet, so Anna-Lou Beckmann. „Durch den Artikel werden bestimmt die Diskussionen wieder aufkochen.“

 


 

 

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