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Besonderer Förderbedarf : Probleme im Rechnen?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Verwirrende Antworten zu Förderschülern im Land bringen Linken-Landtagsabgeordnete auf die Barrikaden

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Die Bildungsexpertin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, hat den Mitarbeitern des Bildungsministeriums schon so manches Kopfzerbrechen bereitet. Allein zwischen 1. Juni und gestern hatte das Ministerium 19 Kleine Anfragen der Parlamentarierin beantworten (11 weitere sind noch offen) – darunter zur „Unterrichtsversorgung der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen MVs zum Schuljahr 2015/16“ und zu „Unterrichtsstunden zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, im Rechtschreiben und im Rechnen“.

In den Antworten offenbarte sich: Auch die Mitarbeiter des Bildungsministeriums haben möglicherweise Schwierigkeiten im Rechnen: Denn in den Antworten auf beide Anfragen differieren die Angaben zu den Kindern mit Förderbedarf – und zwar nicht unwesentlich. Für das Schuljahr 2013/14 ist einmal von 8128 und einmal von 8247 Kindern und Jugendlichen die Rede, die Förderschulen besuchen. Die Differenz von 119 Schülerinnen und Schülern, so Simone Oldenburg, bedeute eine Differenz von 360 Unterrichtsstunden und damit 13 Lehrerstellen. Noch gravierender unterschieden sich die Angaben für das letzte Schuljahr: 255 Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger (in den Antworten ist von 8239 bzw. 7984 Förderschülern die Rede) machten sogar 760 Unterrichtsstunden und damit 28 Lehrerstellen aus. „Ich frage den Bildungsminister, wie den Kindern mit besonderem Förderbedarf gezielt geholfen werden soll, wenn nicht einmal klar ist, wie viele diese Hilfe benötigen?“, empört sich Oldenburg.

Ein Sprecher des Ministers konterte: Man wisse sehr wohl, wie hoch der Förderbedarf sei. Für die einzelnen Antworten sei auf unterschiedliche Zahlen zurückgegriffen worden – einmal auf die der Gesamtbedarfserhebung und einmal auf die der amtlichen Schulstatistik. Zudem würden einmal nur öffentliche Schulen erfasst, in der zweiten Antwort außerdem auch noch Schulen in privater Trägerschaft. Ein Verfahren, das nicht nur Simone Oldenburg irritiert.

Zweifel an einheitlicher Diagnostik

Und noch ein anderer Umstand regt die Linken-Politikerin auf: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung ist seit 2011/12 um 55 Prozent gestiegen. Aktuell besuchten 750 Schülerinnen und Schüler mehr die entsprechenden Förderschulen als noch vor drei Jahren. Das, so Oldenburg, sei für sie nur dadurch zu erklären, dass, anders als von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) behauptet, immer noch keine einheitlichen Diagnostikstandards angewendet werden.

Doch, die Standards sind vereinheitlicht worden, heißt es dazu aus dem Ministerium – allerdings erst seit einem Jahr. Ältere Kinder können noch nach abweichenden Kriterien begutachtet worden sein. In der Statistik würde sich die Vereinheitlichung also erst in einigen Jahren bemerkbar machen.

Schon jetzt, so Oldenburg, nehme neben der Zahl der körperlich und motorisch beeinträchtigten Kinder auch die von Kindern mit den Förderschwerpunkten „Sprache“ sowie „emotional-soziale Entwicklung“ gravierend zu. Ihre Fraktion fordere deshalb, „die freiwillige Untersuchung von Kindern im Alter von vier Jahren in eine verpflichtende umzuwandeln, um frühzeitig Bedarfe zu erkennen und entsprechend frühzeitig gegensteuern zu können“.

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