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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 06:47 Uhr

Pro und Kontra Bürgerwindrad

vom

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2012 | 09:38 Uhr

Karstädt | Das Thema Bürgerwindrad sorgte auf der Ortsbeiratssitzung Karstädt für Pro und Kontra unter den Anwesenden. Den Vorschlag, eine gemeinschaftliche Windkraftanlage am Rande der ehemaligen Mülldeponie Karstädt zu errichten, brachte Bürgermeister Udo Staeck (CDU) ein.

"Wir könnten damit den Flaschenhals aussparen", nannte das Gemeindeoberhaupt einen Grund. Diese schmale Verlängerung eines möglichen neuen Windeignungsgebiets westlich von Karstädt bis in Höhe des Klärwerks war in der Ortsbeiratssitzung im Juni nicht unumstritten, könnte eine Bebauung zusätzlich zu Bahn, Ortsumgehung B 5 und A 14-Trasse eine weitere Belastung für die Ortslage Karstädt bedeuten. "Wir brauchen keinen weiteren Blätterwald mit vielen Windrädern", wiederholte Jochen Kuhlmann (SPD) seine ablehnende Haltung. Jürgen Ditten (CDU) erinnerte nochmals an einen Beschluss der früheren Gemeindevertretung Karstädt, westlich der B 5 keine weiteren Windräder zu errichten. Auch wurde die Forderung laut, das Thema noch einmal mit den Bürgern zu diskutieren.

Zum Bürgerwindrad bei Postlin führte Udo Staeck als Hauptargument ins Feld, dass mit dem Genossenschaftsmodell die Wertschöpfung im Ort bleibe, Einwohner sich an der Finanzierung beteiligen und zugleich von der Rendite profitieren würden. "Wir hätten das schon längst machen sollen, doch waren bisher die Rahmenbedingungen nicht gegeben. Das ist jetzt anders", erklärte Staeck und verwies auf den Leitfaden zu "Beteiligungsmöglichkeiten von Gemeinden an einem nachhaltigen Ausbau der Windenergienutzung in Brandenburg".

"Wir würden eine eigene Fläche zur Verfügung stellen, Verpächter sein und uns auch an der Investition beteiligen", so der Bürgermeister. Darüber hinaus könnte eine Stiftung gegründet werden, in die ein Teil der Erträge für gemeinnützige Zwecke fließt, zum Beispiel zur Unterstützung von Vereinen und Jugendarbeit. "Wir brauchen zusätzliche Einnahmen, ohne die es in den nächsten Jahren Einschnitte bei den freiwilligen Aufgaben der Gemeinde geben wird", machte Staeck deutlich. Zum Standort ehemalige Mülldeponie habe die Gemeinde in Potsdam vorgefühlt. "Die Deponie wird in diesem Jahr saniert, die Umweltbehörde begrüßt es, wenn Randflächen mit Solaranlagen oder Windrädern eine sinnvolle Nutzung erfahren", erklärte Staeck.

Der Abstand zur Wohnbebauung Postlin würde ca. 1000 Meter betragen, zum Schwimmbad wären es etwa 1200 Meter. Finanzpartner könnte die Volks- und Raiffeisenbank Prignitz sein. "Welches Modell errichtet werden soll, mit welcher Leistung, Höhe usw. entscheiden die Bürger selbst, ebenso werden in der Satzung finanzielle Mindesteinlagen festgelegt", meinte V+R-Mitarbeiter Thomas Raab.

"Das Modell Bürgerwindrad ist eine gute Sache, doch bin ich gegen den Standort Mülldeponie", erklärte Volker Kobs. "Warum muss am letzten Flecken Postlins mit einem bisschen Grün noch ein Windrad hingestellt werden", fragte Bärbel Röhncke. "Der Rest Idylle ist dann weg, ich werde alles tun, um das zu verhindern", argumentierte Edgar Wormstädt. Ortsbeiratsmitglied Britta Avantario (SPD) sprach sich für ein Bürgerwindrad aus, fragte jedoch, ob es nicht möglich sei, es im neuen Windenergie-Vorschlagsgebiet zu errichten und mit regionalen Partnern wie dem Prignitzer Versorgungsunternehmen PVU zu kooperieren.

Sich in das neue Vorschlagsgebiet einzubringen, hieße warten bis 2015/16 der neue Teilplan der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz/Oberhavel beschlossen wird. Ob die Fläche dort auch aufgenommen werde, sei zudem ungewiss. "Wir sollten die Chance der privilegierten Fläche an der Mülldeponie nicht vergeben." Da der Standort außerhalb des bestehenden Windparks Karstädt liegt, ist ein Zielabweichungsverfahren notwendig. "Das könnte vielleicht ein Jahr dauern und würde den Zeitablauf enorm verkürzen", so Staeck.

Zugleich trat er Befürchtungen entgegen, dass hier bzw. auf benachbarten Flächen weitere Anlagen entstehen könnten. "Es ist ein Einzelstandort." "Ohne eine Entscheidung des Ortsbeirats machen wir nichts", stellte der Bürgermeister klar. Die fiel am Dienstag noch nicht. Die Sitzung diente lediglich der Information und einem ersten Meinungsaustausch, erklärte Ortsvorsteher André Lüdemann, der jedoch keinen Hehl daraus machte, dass er ein Befürworter von Windkraftanlagen sei.

Bis zur nächsten Sitzung sollen weitere Informationen zum Thema Bürgerwindrad eingeholt werden. Auch schlug Britta Avantario vor, Kontakt mit Gemeinden aufzunehmen, die bereits ein Bürgerwindrad betreiben.


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