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Privatkunden zahlen für Strom-Rabatte der Firmen

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erstellt am 15.Okt.2012 | 07:03 Uhr

Schwerin | Millionengeschenke für große Stromverbraucher zulasten von Privatkunden und kleinen Firmen: 2013 bleiben vor aussichtlich fast drei Mal so viele Unternehmen von der Öko-Stromabgabe verschont wie in diesem Jahr. Bundesweit haben mehr als 2000 Firmen eine weitgehende Befreiung von der so genannten EEG-Umlage beantragt - mehrere Dutzend auch aus MV. In diesem Jahr waren 734 Unternehmen entlastet worden, 15 aus MV -darunter u. a. die Fliesenwerke Boizenburg, die Holzverarbeiter Egger, Hüttemann und German Pellets in Wismar, die Milchverarbeiter Hansano Upahl und ZMV Dargun, der Geflügelschlachter Stolle in Brenz aber auch die Straßenbahn AG Rostock. "Durch die vielen unsinnigen Befreiungen für Unternehmen bläht die Bundesregierung die Stromkosten für die privaten Haushalte unnötig auf", kritisierte Bärbel Höhn, Vize-Chefin der Grünen-Fraktion im Bundestag, gestern. "Ausnahmen darf es nur noch für Unternehmen im internationalen Wettbewerb geben, wenn Arbeitsplätze gefährdet sind", forderte Höhn. Inzwischen haben nach Angaben der Bundesnetzagentur selbst Golfclubs, Kinos, Erlebnisparks und Pflegeheime Vergünstigungen beantragt.

Der Umlagerabatt für Großkunden verteuert die Energiewende für Privatkunden zusätzlich. Erst gestern hatten die vier großen Netzbetreiber die so genannte EEG-Umlage um 47 Prozent von bisher 3,59 Cent je Kilowattstunde auf den Rekordwert von 5,277 Cent erhöht. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden muss damit ab 2013 mehr als 180 Euro für die Förderung von Öko-Strom zahlen - 60 Euro mehr als 2012. Allein 57 Euro müssten private Haushalte über den Strompreis für Unternehmen mitbezahlen, ermittelten die Grünen. 2012 waren es noch 36 Euro. Das geht selbst der Wirtschaft zu weit: Die Befreiung von der Öko-Strom-Abgabe müsse auf eine Härtefallregelung zurückgeführt werden, die im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen entlasten soll, forderte Lothar Wilken von der Vereinigung der Unternehmensverbände. Ein Straßenbahnunternehmen gehöre auf jeden Fall nicht dazu. "Es ist nicht zu verstehen, warum Steuerzahler dafür aufkommen sollen", so Wilken.

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