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Wettbewerb auf der Schiene in MV eingeschränkt : Privatbahnen auf dem Rückzug

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Privatbahnen auf dem Abstellgleis: Im Personennahverkehr auf der Schiene verlieren die Wettbewerber der Deutschen Bahn in MV deutlich Marktanteile. Die DB indes kehrt fast zur alten Monopolstellung zurück.

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erstellt am 17.Apr.2013 | 08:08 Uhr

Schwerin | Privatbahnen auf dem Abstellgleis: Im Personennahverkehr auf der Schiene verlieren die Wettbewerber der Deutschen Bahn in MV deutlich Marktanteile. Mit der Anfang März erfolgten Vergabe der Nahverkehrslinien Bützow-Güstrow-Neubrandenburg-Stettin sowie von Stralsund nach Neustrelitz an den Branchenprimus Deutsche Bahn (DB) kehrt das Staatsunternehmen fast zur alten Monopolstellung im 1700 Kilometer langen Schienennetz in MV zurück. Von den vom Land bestellten Nahverkehr auf 17,1 Millionen Zugkilometern werden von der Bahn-Tochter DB-Regio ab 2014 etwa 84 Prozent gefahren. Bislang waren drei Viertel des Nahverkehrs in DB-Hand und der zum Konzern gehörenden Tochter Usedomer Bäderbahn (UBB). Eine Entscheidung des Landes, wehrt Bahn-Sprecher Holger Auferkamp Kritik ab. "Wir fahren das, was gewünscht wird."

Dem Staatskonzern kommt die Schwäche der Privatbahnen entgegen: Noch fahren neben der DB fünf Bahngesellschaften durch MV - die Ostseelandverkehr GmbH, die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg), die 100prozentige Bahntochter Usedomer Bäderbahn, die Mecklenburgische Bäderbahn Molli und der Rasende Roland auf Rügen. Doch das Interesse an dem weitgehend vom Steuerzahler finanzierten und mit eingeschränktem Risiko betriebenen Nahverkehr auf der Schiene schwindet: Bei der zuletzt vergebenen Linie Bützow-Güs trow-Neubrandenburg-Stettin war das Staatsunternehmen einziger Bewerber. Der bisherige Betreiber und mit einem Marktanteil von 15 Prozent größte Wettbewerber der Deutschen Bahn, die Ostseelandverkehr GmbH (Ola), hatte aufgrund von Querelen mit dem Mutterkonzern Veolia auf ihrer bisherigen Stammstrecke nicht mehr an der Ausschreibung teilgenommen.

Unattraktive Strukturen, geringe Fahrgastzahlen: Für die Nahverkehrsleistungen, für die das Land allein in diesem Jahr 238,74 Millionen Euro zahlt, gehen die Bieter aus. Selbst für Verkehrsverträge, bei denen das Land für den Verlustausgleich garantiert, bleiben die Interessenten überschaubar. Das Risiko sei für die Bieter größer geworden, den Nahverkehr auf der Schiene aufzunehmen, meint Carsten Werfel von der landeseigenen Verkehrsgesellschaft in Schwerin. Spätestens seit das Land bei der Vergabe von Nahverkehrsleistungen für die Beschäftigten eine Tariftreueklausel verlangt, bleiben bei den Privaten die Kostenvorteile aus. Jahrelang hatten niedrigere Löhne den Privatbahnen einen Wettbewerbsvorsprung verschafft. "Der Vorteil ist ausgeschaltet", erklärt Steffen Wehner, Sprecher des Verkehrsministeriums. Zudem würde von den Bahnunternehmen oft der Einsatz neuer Fahrzeuge verlangt, meint Marcel Drews, Landessprecher der Fahrgastinitiative Pro Bahn: "Das ist finanziell kaum zu stemmen", so dass sich kleinere Anbieter auf einzelne Linien konzentrierten. Mit der Bahnreform Mitte der 90er-Jahre sei der Nahverkehr aus der Schmuddelecke herausgeholt worden, der Taktverkehr und ganztätige Zugangebote eingeführt worden, sagt Drews: "Auf den meisten Strecken macht es wieder Spaß, Bahn zu fahren." Werde der Wettbewerb jetzt aber wieder eingeschränkt, laufe das Land Gefahr, dass auf einigen Linien künftig keine Bahn mehr fahren könnte.

Der Wettbewerb sei aber nicht ausgeschaltet, meint Ministeriumssprecher Wehner: Alle könnten sich an den Strecken-Ausschreibungen beteiligen. So solle voraussichtlich im zweiten Halbjahr das Usedom-Netz ausgeschrieben werden, erklärte Werfel. 2019 laufe der Verkehrsvertrag für das lukrativste der fünf Teilnetze im Land, das Ostseenetz mit der profitablen Strecke von Rostock nach Schwerin und Hamburg, aus und müsse neu vergeben werden. Zudem stehe die Vergabe der südlichen Bahnlinien im Ost-West-Netz noch an.

Für die Fahrgäste soll der eingeschränkte Wettbewerb auf der Schiene indes keine Nachteile bringen. Service, Pünktlichkeit, Zugfrequenz: In den Ausschreibungen seien die Standards vorgegeben, erklärte Werfel. Verstöße würden mit Strafzahlungen belegt - bei Unpünktlichkeit schon mal bis in den zweistelligen Millionenbereich.

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