Prignitzer Gewerbe erholt sich langsam

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10. Februar 2011, 06:24 Uhr

Prignitz | Die Gewerbesteuer sprudelt, spült Geld in die leeren Prignitzer Haushaltskassen. Eine Umfrage unter den Kommunen zeigt, dass Unternehmen in der Region die Wirtschaftskrise gut bewältigt haben.

Deutlich sichtbar ist die Entwicklung in der Kreisstadt Perleberg. Hier stiegen die Gewerbesteuereinnahmen von 1,7 Millionen Euro (2008 und 2009) auf zuletzt 2,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr. 28 Prozent der Betriebe sind gewerbesteuerpflichtig.

Auf nahezu konstanten Niveau befinden sich die Einnahmen von Pritzwalk. Bei einem Hebesatz von 323 Prozent - das ist in Brandenburg das Mittelmaß - nahm die Stadt 2008 rund 3,4 Millionen Euro ein, ein Jahr später waren es 2,8 und im vergangenen Jahr erneut 3,4 Millionen Euro.

Der Anstieg hat eine Ursache: "2009 gab es hohe Rückzahlungen an Unternehmen", sagt Kämmerin Kornelia Wienke. Das heißt, 2008 haben ein oder mehrere Unternehmen Verluste eingefahren.

Zur Erklärung: Die Höhe der Gewerbesteuer setzt das Finanzamt anhand der Gewinne des vorausgegangenen Jahres fest. Wenn ein Unternehmen beispielsweise Gewinne macht, gibt es Einmalzahlungen an Gewerbesteuer. Macht es Verluste und hat beispielsweise vierteljährliche Vorauszahlungen geleistet, müssen diese zurückgezahlt werden.

Die Gewerbesteuern sind die wichtigsten Einnahmen der Stadt und gelten als Konjunkturspiegel, sind allerdings schlecht planbar, weil manche Unternehmen Vorauszahlungen zum Beispiel für mehrere Jahre leisten.

Das war in Karstädt der Fall. Die Gemeinde nahm im vergangenen Jahr 581 000 Euro ein, 2008 und 2009 waren es 1,3 beziehungsweise 1,2 Millionen Euro. "2010 haben wir Vorauszahlungen für mehrere Jahre zurückgezahlt", erklärt Kämmerin Ramona Pischke.

Mit einem Hebesatz von nur 230 Prozent hat Karstädt im Landkreis den niedrigsten Wert. "Von dieser politischen Entscheidung hat vor allem das Gewerbegebiet profitiert."

Großen Schwankungen unterliegt Wittenberge. Erzielte die Stadt 2008 Einnahmen in Höhe von 3,7 Millionen Euro, waren es im darauffolgenden Jahr aufgrund hoher Rückzahlungen nur noch 1,3 Millionen. Einen leichten Anstieg auf 2,1 Millionen Euro gab es 2010.

Wittenberges Kämmerer Jens Freitag ist davon überzeugt, dass sich die Konjunktur relativ gut erholt hat, auch wenn die Gewinne bei den Unternehmen noch nicht wieder auf das Niveau von 2007 gestiegen seien. Gewerbesteuereinnahmen seien nur ein Indikator für die konjunkturelle Entwicklung, nicht aber der Gradmesser.

Man müsse auch Investitionen, Arbeitslosenzahlen und die Struktur der Unternehmen berücksichtigen, ergänzt Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann.


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