Pressefest-Rallye : Der Trabi mit dem Holzmuster

Damals
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Zwei Schweriner entdeckten durch die Pressefest-Rallye in den 1980er-Jahren ihre Liebe zum Rennsport. Die Neuauflage des Pressefestes ist am 22. April geplant

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20. Februar 2018, 12:00 Uhr

Wenn sich Jürgen Michael und Detlef Schultz an die Pressefeste unserer Zeitung zurückerinnern, dann denken sie vor allem an Motordröhnen, rasante Geschwindigkeiten und aufgewirbelten Staub. Denn während sich viele an den Tanzveranstaltungen, dem Feuerwerk oder den Fressbuden erfreuten, gab es in den 1980ern für die beiden damals Mittzwanziger nichts Aufregenderes als die Pressefest-Rallye.

Für Sport- und Autofans wurde der rasante Wettbewerb vom MC Dynamo Schwerin organisiert. Auf Straßen, aber auch auf Wald- und Feldwegen ging es für die Teilnehmer rund um die heutige Landeshauptstadt. Das Besondere an dem Sportevent: Neben professionellen Startern durften bei der „Jedermann-Rallye“ auch Hobbyfahrer mitmachen.

Für Michael und Schultz ein Muss. „Anfangs sind wir noch mit unserem Familienauto, einem Trabant 601 Universal, gestartet“, erzählt Jürgen Michael. „Man kann sich in etwa vorstellen, wie begeistert meine Frau war“, fügt der heute 64-Jährige lachend hinzu.

Der gebürtige Schweriner steuerte den Trabi, während sein Jugendfreund Detlef Copilot war. „Bei einer Rallye ist das die viel schwierigere Aufgabe“, sagt Michael. Denn mithilfe des Bordbuchs muss der Beifahrer die zu fahrende Strecke ansagen. Anders als bei einem Autorennen wird nicht im Kreis gefahren, sondern es gilt, eine festgelegte Route hintersichzubringen. „Wir hatten zuerst kein Zählwerk. Detlef schätze also, wann ich abbiegen muss“, erinnert sich Michael schmunzelnd zurück. Trotz Familienwagen und fehlender Ausrüstung waren sie als Rennteam erfolgreich.

„Und wir haben gemerkt, dass uns das Rallyefahren wirklich Spaß macht“, fügt Schultz hinzu. Aus den Hobby- wurden Lizenzfahrer. Ab 1982 starteten die beiden Freunde als Profis bei der Pressefest-Rallye. Auch bei anderen Wettbewerben im Land wie der Petermännchen-, der Sund-Bodden- oder der Rügen-Rallye fuhren sie mit. Besonders erfolgreich waren Michael und Schultz bei den Clubmeisterschaften des MC Tourist Schwerin. Zwei Jahre in Folge wurden sie als die schnellsten Fahrer aller Autoklassen ausgezeichnet.

In dieser Zeit gingen sie auch mit einem neuen Wagen an den Start. Aus Ersatzteilen hatten sie in Eigenregie und vielen hundert Arbeitsstunden einen Trabi 601 gebaut. Ihr Auto sollte etwas Besonderes sein – und vor allem bei den Rennen auffallen. Doch wie konnten sie das mit den bescheidenen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, bewerkstelligen?

Sie hatten eine pfiffige Idee. Sie verpassten ihrem Auto einen Anstrich, der an die damals angesagte Tapete in Holzoptik erinnerte. In die braunen, frisch aufgetragenen Streifen walzten sie einfach „Astlöcher“ hinein. Fertig war ihr Holzmuster.

Bei der Pressefest-Rallye sorgte fortan nicht nur ihre Leistung, sondern auch das Fahrzeug für Aufsehen. „Immer wieder versuchten Leute die Maserung abzukratzen – sie dachten, wir hätten den Trabi tapeziert“, erzählt Detlef Schultz lachend.

Das ist nur eine Anekdote aus ihrer Rallyezeit. Viel mehr können die beiden Freunde noch erzählen, wenn sie gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Von einem anderen Rallyewagen, der aus einer Kurve flog und senkrecht in einer Baumgabelung steckenblieb. Von Hühnernestern im Motorraum. Oder von dem Rennen, bei dem sie die Türaußenhaut ihres Trabi 601 verloren haben. „Weitergefahren sind wir trotzdem noch“, schmunzelt Schulz. Die Türpappe hat sein Freund Michael übrigens heute noch.

Mitte der 80er ist es dann mit der Rennkarriere vorbei. Die Familie, der Job fordern viel Zeit. Außerdem fehlt es an einer Förderung. Was bleibt ist die Erinnerung, an eine rasante Zeit. Und die Freundschaft zwischen den beiden Rallyefahrern.

Fotos gesucht

Vielen Lesern sind unsere Pressefeste  in besonderer Erinnerung geblieben.  Unsere Zeitung plant eine Neuauflage dieser  Tradition am 22. April auf dem Bertha-Klingberg-Platz in Schwerin.     Schicken Sie uns dafür Ihre alten Pressefest-Fotos . Wir freuen uns  auch über Erzählungen  ohne Bild!

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