Künstler Günter Endlich : Das Pressefest soll wieder blühen

Eigens zum Pressefest dachte sich Künstler Günter Endlich eine Karikatur aus.
Eigens zum Pressefest dachte sich Künstler Günter Endlich eine Karikatur aus.

Güstrower Künstler Günter Endlich zeichnet Grußbotschaft für unser Pressefest und erinnert sich an seinen eigenen Auftritt

von
19. April 2018, 16:31 Uhr

Die Zeichnung ist fast fertig. Es fehlt nur noch ein Wort am Hals der Sonnenblume. „Was würde da gut passen?“, überlegt Günter Endlich laut. Er überspringt die Stelle und zeichnet erst einmal das Lächeln der Blume. Dabei kommen die Erinnerungen an das SVZ-Pressefest hoch. Von damals, Ende der 1950er-Jahre, als der Güstrower Günter Endlich selbst auf einer der vielen Bühnen in Schwerin stand.

Schon als Kind besuchte Günter Endlich die Großveranstaltung der Schweriner Volkszeitung. Doch daran erinnert der 84-Jährige sich kaum noch. Zu lange ist es her. Im Gedächtnis dagegen blieb ihm sein eigener Auftritt. Günter Endlich trat bei dem Zeitungsfest als Schnellzeichner auf.

Der damals 24-Jährige kam erst über einen Umweg im DDR-Fernsehen auf die Bühne des Pressefestes. TV-Moderator Heinz „der Quermann“ von der Talentshow „Herzklopfen kostenlos“ holte Günter Endlich vor seine Kamera. Mit seinen flinken Fingern zeichnete er sich in die Herzen der Zuschauer. „Und wie das so ist, kannten mich nach dem Auftritt viele Menschen aus Mecklenburg“, sagt Endlich. Auch die SVZ-Redakteure. Sie fragten ihn, ob er nicht auch beim Pressefest auftreten wolle. Endlich stimmte zu.

Mit einer Staffelei bewaffnet reiste Endlich damals von Güstrow nach Schwerin, bereit für seinen Auftritt in der Orangerie des Schlosses. Nur mit einem weißen Blatt und einem Stift ausgestattet, wollte er die Zuschauer zum Staunen bringen. „Während des Auftritts schnappte ich mir gerne den Bühnen-Moderator, um mit ihm zu arbeiten“, sagt Endlich. Immer wieder forderte er den Moderator auf, wahllos Striche auf die Leinwand zu malen. Aus den zufälligen Kritzeleien zauberte der Schnellzeichner dann kleine Kunstwerke. Die Augen des Publikums folgten jedem Strich, während Endlichs Hand über das Papier zuckte. Geschickt spielte er auf der Leinwand mit den Erwartungen des Publikums. Erst war da ein Apfel. Dann folgte darunter eine Birne und dazu kam noch ein Kochtopf von Mutti. Das Publikum grübelte: Was wird wohl daraus? Blitzschnell fügte Endlich drei weitere Striche dazu und plötzlich saß an Stelle des Obstes ein Baby auf seinem Töpfchen. Lacher und Applaus waren ihm gewiss. Mit Stift, Charme und Staffelei begeisterte der Güstrower die Besucher im Schloss.

Dreimal stand Endlich an diesem Tag auf der SVZ-Bühne. Doch er mischte sich nach seinem Auftritt auch unter die Besucher. „Auf der Freilichtbühne traten den ganzen Tag tolle Musiker auf. Ich konnte stundenlang zuhören. Und die Geschwister Weisheit aus Sachsen haben mich mit ihrer Motorrad-Akrobatik immer begeistert“, erzählt er.

Bei der großen Pressefest-Tombola kaufte sich Endlich, wie so viele Besucher, ein Los. Der erste Preis war etwas, auf das die meisten DDR-Bürger lange warten mussten: ein Trabant. „Leider hat es mit dem Auto bei mir nie geklappt. Aber jetzt zur Neuauflage werde ich es wieder probieren. Auch wenn es diesmal eine andere Marke geben wird“, sagt er.

Doch genug in der Vergangenheit geschwelgt. Denn auch heute noch zeichnet der 84-Jährige mit großer Raffinesse. Er will seine Zeichnung mit dem Gärtner und der Sonnenblume beenden. „Pressefest! Das sollte in dem Schild an der Sonnenblume stehen. „Mit der Hoffnung, dass die Veranstaltung wie eine Pflanze neu aufblüht“, sagt er. Mit seiner Karikatur verbindet Günter Endlich auch eine persönliche Botschaft: „Das Pressefest spielte für den Bezirk Schwerin immer eine wichtige Rolle. Es fand meist zu Pfingsten statt und war für die Mecklenburger ein Highlight des Frühjahres. Ich wünsche dem Neustart alles Gute“, sagt er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen