Mit der Tatra-Bahn zum SVZ-Pressefest : „Das ist noch eine richtige Straßenbahn“

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Mirko Flindt fährt zum Pressefest die beliebte Tatra-Bahn des Nahverkehrs Schwerin

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26. April 2019, 05:00 Uhr

Schwerin | Ein kleiner Ruck geht durch die Menge. Und schon geht die Fahrt weiter. Vom Platz der Freiheit bis zum Bertha-Klingberg-Platz: 13 Jahre nach dem Ende des Regelbetriebs ist die beliebte Tatra-Bahn wieder auf Schwerins Schienen unterwegs – und bringt Jung und Alt zum Pressefest.

„Die neuen Fahrzeuge sind doch Schuhkartons auf Schienen“, sagt Mirko Flindt. Klar, es sei ein angenehmes Fahren in den Niederflurfahrzeugen. Aber nichts gehe über die alte Tatra-Bahn. „Das ist noch eine richtige Straßenbahn“, sagt Flindt. Wenn er in der Fahrerkabine der weiß-roten Bahn sitzt, funkeln seine Augen. Er grinst wie ein kleiner Junge, der das erste Weihnachtsgeschenk auspackt.

Nicht jeder darf die Bahn fahren

Und tatsächlich ist die Fahrt mit der Tatra-Bahn für den 49-Jährigen wie ein Geschenk. „Es war immer mein Kindheitstraum, Straßenbahnen und Busse zu fahren“, sagt Flindt. Ein Traum, den er sich auch erfüllen konnte. 1986 hat er beim Schweriner Nahverkehr seine Lehre angefangen, hat verschiedene Stationen durchlaufen. Eine Zeit lang gehörte er sogar zum Reinigungsteam der Bahnen.

Heute sitzt er wieder in der Fahrerkabine der Bahnen und Busse, fährt Schweriner und Touristen durch die Stadt. Mirko Flindt gehört zu einem kleinen Kreis beim Nahverkehr Schwerin, der auch die längst aus dem Betrieb genommenen Tatra-Bahnen fahren darf.

mirko flindt liebt die tatra-bahn
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mirko flindt liebt die tatra-bahn

 

Allerdings ist er bei seinen Fahrten nicht allein in der Kabine. Die neuen Straßenbahnen haben einen sogenannten Totmannschalter. Den muss der Fahrer während der Fahrt drücken. Macht er das mehr als drei Sekunden lang nicht, beispielsweise weil es ihm schlecht geht oder er zusammengebrochen ist, bremst die Bahn selbstständig ab. „Bei der Tatra-Bahn gibt es diese Technik nicht“, so Flindt. Daher sei es notwendig, dass jederzeit ein zweiter Fahrer anwesend sei.

Die Fahrt sei eine Herausforderung

Zum Pressefest wird Flindt wieder einmal die Traditionsbahn fahren. Die Technik sei alt und nicht elektronisch. Daher sei die Fahrt mit der Oldtimer-Bahn immer auch eine kleine Herausforderung. „Die Bahn ruckelt eh immer. Aber man versucht natürlich, dass die Fahrt so ruckelfrei wie möglich ist“, sagt Flindt und lacht.

Einmal, als die Bahn noch regulär eingesetzt wurde, war dem 49-Jährigen jedoch nicht zum Lachen. Draußen war es schon dunkel. Flindt stand mit seiner Tatra-Bahn am Dreescher Markt, als ihm auffiel, dass der Beiwagen nicht erleuchtet war. „Irgendwelche Idioten haben den ganzen Wagen auseinander genommen“, erinnert sich Flindt. Die Lampen waren herausgerissen, ebenso die Sitzschalen. Die Mutwilligkeit, mit der die Täter das Wageninnere zerstört hatten, habe ihn geschockt.

Aber auch über das Verhalten der anderen Mitfahrer war Flindt enttäuscht. „Keiner kam nach vorne und hat was gesagt. Das macht einen traurig“, so der leidenschaftliche Straßenbahnfahrer.

Heute ist die Schweriner Tatra-Bahn, eines der meistgebauten Straßenbahnmodelle der Welt, noch immer in einem Topzustand. Und Flindts Kollegen seien auch mal neidisch, dass sie nicht an seiner Stelle die traditionsreiche Bahn fahren dürfen. „Ich bin schon sehr stolz, zum Pressefest wieder in der Fahrerkabine zu sitzen“, sagt Mirko Flindt.

Lassen Sie das Auto lieber stehen

Egal ob verkaufsoffener Sonntag, Frühjahrserwachen, Gartenmarkt oder natürlich das Pressefest – am kommenden Sonntag hat die Landeshauptstadt für seine Bewohner und Gäste viel zu bieten. An verkaufsoffenen Sonntagen und zum Frühjahrserwachen ist die Stadt traditionell voll. Auch der Gartenmarkt lockt normalerweise viele Besucher nach Mueß. Doch da im Freilichtmuseum gebaut wird, zieht der Markt in diesem Jahr an die Schleifmühle. Parkplätze sind rar, die Suche nach freien Abstellmöglichkeiten könnte nervenaufreibend werden. Wer uns auf dem Pressefest besuchen möchte, sollte daher überlegen, das Auto stehen zu lassen und lieber auf den Nahverkehr zu setzen. Die Tatra-Bahn bringt Sie direkt bis zum Bertha-Klingberg-Platz. Das schont nicht nur Ihre Nerven, sondern auch die Umwelt.
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