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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 14:05 Uhr

Milchquote : Preissturz am Melkstand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Milchgeld von weniger als 30 Cent je Liter bedroht Betriebe in MV / Nach 30 Jahren wird Anfang April Milchquote abgeschafft

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 11:55 Uhr

Not im Kuhstall: Ein Rohstoff-Überangebot hat die 850 Milchbauern in MV mit ihren 185  000 Kühen in eine tiefe Preiskrise gestürzt. Der auf durchschnittlich 28 Cent gefallene Milchpreis je Liter im Landesdurchschnitt sei eine Existenzbedrohung für viele Betriebe, erklärte Christian Karp, Landessprecher des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) gestern auf dem Milchbauerntag in Karow im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Nach dem Absatzrückgang auf dem russischen Markt und Einbußen in China sei das Milchangebot deutlich stärker gestiegen als die Nachfrage, analysierte Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI): „So viel Milch wie 2014 gab es noch nie auf dem Weltmarkt.“ Bundesweit hätten die Bauern im Schnitt mit 30 Cent etwa zehn Cent weniger je Liter erhalten als noch vor einem Jahr. Zusätzlich drohen den Landwirten jetzt noch teure Strafzahlungen der EU, weil die noch geltende Milchquote in den vergangenen Monaten deutlich überschritten worden sei, erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Dafür könnten bis zu 380 Millionen Euro fällig werden.

Die Lage wird kaum besser: Mit der nach 30 Jahren Anfang April wegfallenden Milchquote müssen sich die Bauern künftig auf starke Preisschwankungen einstellen. Inzwischen stabilisierten sich die Milchpreise wieder – bei Butter, auch bei Milchpulver. „Es gibt erste Anzeichen für eine Entspannung am Milchmarkt“, sagte Backhaus. Entsprechend der Entwicklung der Weltbevölkerung könne man künftig auch von einer steigenden Nachfrage nach Milchprodukten ausgehen, vor allem auf dem asiatischen Markt. Trotz zu erwartender steigender Verbraucherpreise sei aber kurzfristig keine Wirkung auf das Milchgeld zu erwarten, sagte Gorn. Auch in diesem Jahr müssten die Landwirte mit deutlich niedrigeren Preisen als 2013 rechnen.

Für Unsicherheit sorgt vor allem das Ende der Marktregulierung in der EU und der Wegfall der Milchquote. Keiner könne einschätzen, wie viel Milch künftig produziert werde, sagte Gorn. Mit dem Quotenende wachse die Verantwortung der Unternehmen, meinte Backhaus. Die Milchbauern sollten dem Auf und Ab der Preise Wege der gemeinsamen Vermarktung entgegenstellen. Erstmals hätten die Landwirte es geschafft, ihr Milchangebot zu bündeln und ihre Marktmacht zu erhöhen. Von fünf Erzeugergemeinschaften hätten sich vier zusammengeschlossen, sagte Backhaus. Insgesamt sehe er die Branche gut aufgestellt. In den vergangenen Jahren hätten die Milchbauern 350 Millionen Euro investiert – mit Hilfe der Steuerzahler in Höhe von 70 Millionen Euro. „Das alles lässt vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken“, sagte Backhaus.

Die Landwirte bleiben skeptisch: Um Preisverluste zu verhindern schlägt der Bund Deutscher Milchviehhalter ein Krisenmanagementprogramm vor. Bei Verwerfungen am Markt und einem Überangebot an Milch sollten Bauern für Mehrmengen Abgaben bezahlen, forderte BDM-Beiratschef Johannes Pfalle. Wer in der Krise weniger Milch liefere, solle eine Entschädigung erhalten – ohne Steuergeld, nur durch Abgaben der Bauern, sagte Pfaller: „Es geht nicht um eine Quote, sondern darum Preisverluste zu verhindern.“ Bei Experten stößt der Plan bislang allerdings nur auf geringe Zustimmung.

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