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Ökologischer Landbau in Deutschland : Preiskampf auf dem Bio-Acker

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Der Bedarf an biologisch erzeugten Lebensmitteln steigt, doch billige Importe machen den heimischen Bauern das Leben schwer. Ökologischer Landbau in Deutschland rechnet sich darum nur noch auf riesigen Äckern.

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erstellt am 02.Jun.2013 | 08:19 Uhr

Gallin/Schwerin | Bis zum Horizont wachsen die sattgrünen Bio-Salatköpfe in Gallin südlich des Schaalsees. Ökologischer Landbau in Deutschland rechnet sich nur noch auf riesigen Äckern, ergab jetzt eine Umfrage unter Landwirten und Händlern. Bei zunehmendem Bedarf der Verbraucher an biologisch erzeugten Lebensmitteln machen billige Importe aus EU-Ländern und Übersee den heimischen Bauern das Leben schwer. Andererseits stagniert seit Jahren die Ausweitung der Bio-Anbauflächen im Nordosten, wie Zahlen aus dem Agrarministerium bestätigen: Einer Sprecherin zufolge lag der Bio-Anbau seit 2008 jedes Jahr zwischen 120 000 und 123 000 Hektar oder einem Anteil von neun Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Erst 2013 steige der Umfang der Öko-Äcker wieder leicht auf 124 000 Hektar, das wären 9,2 Prozent aller Agrarflächen im Nordosten.

Mit dieser Rate liegt MV auf dem vierten Platz in Deutschland. Agrarminister Till Backhaus (SPD) will bis 2020 auf 150 000 Hektar Öko-Anbau kommen.

Das Gros der Bio-Flächen macht derzeit Grünland mit rund 75 000 Hektar aus. Hinzu kommen Getreide, größtenteils Roggen, Klee, Gras und Eiweißpflanzen - sowie rund 400 Hektar BioGemüse. Problematisch sei das Erzielen angemessener Erzeugerpreise, die den höheren Anforderungen im Vergleich zu konventionellem Anbau gerecht würden, erklärte das Ministerium.

"Nicht in jedem Dorf rentiert sich ein Bio-Laden", sagte der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord, Tino Beig. Genug zahlungskräftige Kundschaft gebe es nur in größeren Orten. "Bio-Läden brauchen eine gewisse Breite und Tiefe, um Kunden zu gewinnen."

Bauernverbands-Präsident Rainer Tietböhl hingegen sieht grundsätzlich im strukturschwachen Nordosten nur wenige Verbraucher, die sich Bio leisten könnten. "Der Preis der Lebensmittel entscheidet. Für viele ist Bio zu teuer."

Die Biobauern monieren derweil erhebliche Wettbewerbsnachteile. Zwar gebe es EU-Richtlinien, doch in Deutschland versuche jeder einzelne Bio-Verband, seine eigenen Anbau- und Vermarktungskriterien durchzusetzen, erklärte Thomas Arndt, Geschäftsführer der BioBehr GmbH. Das Tochterunternehmen der "Gemüse-Garten Gresse" (Kreis Ludwigslust-Parchim) ist mit 250 Hektar Öko-Anbauflächen, etwa in Gallin, größter Bio-Gemüseproduzent Norddeutschlands. Nach Arndts Ansicht sind einheitliche hohe Anbaustandards nötig, um allen Bio-Bauern gleiche Marktchancen zu sichern. In Deutschland aber vergäben mehrere Bio-Anbauverbände je eigene Zertifikate. Und fast jede Einzelhandelskette arbeite mit einem anderen Verband zusammen. Dem Verbraucher werde so die Orientierung am Bio-Regal erschwert.

Delia Micklich, Geschäftsführerin des zweitgrößten Anbauverbands Biopark, verteidigte unterdessen die verschiedenen Öko-Zertifikate der acht Verbände. Der Handel biete damit dem Verbraucher eine höhere Sicherheit, meinte Micklich. Allerdings: Spezielle Kontrollen auf den Öko-Verbandsflächen gebe es nicht. "Wir haben die Kontrolle nicht in unserer Hand und greifen auf die staatlichen Stellen zurück", sagte Micklich. "In gewisser Weise müssen wir uns da auch auf den Landwirt verlassen. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nicht geben."

Der Rahmen für Bio sei gut, schätzte Jens Rasim vom Gut Gallin ein. Bio-Bauern könnten durchaus Geld verdienen. Das Land unterstützt den Öko-Landbau mit 150 Euro je Hektar. MV zahlt laut Ministerium bundesweit mit die höchsten Öko-Prämien: jährlich rund 15 Millionen Euro. Selbst der Umweltverband BUND konstatiert, dass Bio-Betriebe im Nordosten immer größer würden. Agrarsprecher Burkhard Roloff kritisierte bereits eine "ökologische Massentierhaltung".

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