Festspiele MV : Preis für eine "Quasselecke"

<strong>Zwei der Preisträger</strong>: die Flötistin Daniela Koch und der Harfenist Emmanuel Ceysson <foto>Foto: Monika Lawrenz</foto>
Zwei der Preisträger: die Flötistin Daniela Koch und der Harfenist Emmanuel Ceysson Foto: Monika Lawrenz

Am Mittwochabend überreichte der Vorstandsvorsitzende der Nordmetallstiftung nach einem Konzert auf Schloss Hasenwinkel den Ensemblepreis der Festspiele MV in der Konzertreihe Junge Elite.

svz.de von
28. Juni 2012, 05:23 Uhr

Hasenwinkel | Die Nordmetall-Stiftung fördert die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern in mehrfacher Hinsicht. Jedes Jahr stellt sie ihr Tagungshotel Schloss Hasenwinkel als "Residenz der Preisträger" für die intensive Probenphase zum Kammermusikfest zur Verfügung. Und sie lobt den Ensemblepreis der Festspiele aus, den sie mit 10 000 Euro dotiert.

Doch in der Saison 2011 schien der Jury kein Ensemble der Konzertreihe Junge Elite so herausragend, dass es die von amarcord, Belcea Quartet, Danish String Quartet gesetzten Maßstäbe erreicht hätte. Dafür überzeugten vier einzelne Instrumentalisten, die sich in unterschiedliche Kammerbesetzungen integriert hatten, auf so vollkommene Weise, dass die Stiftung die Preissatzung kurzerhand erweiterte und den vieren den Ensemblepreis gemeinsam zusprach. Am Mittwochabend überreichte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Wolfgang Würst nach dem Konzert der frisch gekürten Preisträger auf Schloss Hasenwinkel Urkunden und Preisgeld.

Die österreichische Flötistin Daniela Koch (23), beim Carnegie-Hall-Projekt 2011 dabei, fand für das nicht existierende Ensemble der vier gleich einen Namen: The North Metal Rabbit Corner Band! (rabbit - eigtl. Kaninchen; rabbit corner - etwa "Quasselecke").

Gemeinsam mit Violine und Viola eröffnete sie das Programm mit der Serenade D-Dur, die man ob ihrer heiteren Leichtigkeit kaum Beethoven zuschreiben mochte. Ein Bravourstück für die Flötistin war die Fantaisie brillante über Bizets Oper Carmen für Flöte und Harfe von François Borne. In rasanten Läufen und Arpeggien, in weiten Sprüngen und atemlosen Koloraturen konnte man ihre brillante Technik bewundern, die sie doch immer wieder mit raffinierter Ausdruckskraft verband.

Der Franzose Emmanuel Ceysson (28) ist ein faszinierender Harfenist und sensibler Begleiter. Von hauchzarten Klängen bis zu orchestraler Fülle entwickelt er einen außerordentlichen Klangreichtum auf seinem Instrument. Fast alles spielt er auswendig. Zwar hat er als Begleiter die Noten vor sich, schaut aber nur selten hinein. Er kann sich in der Fantaisie für Violine und Harfe von Saint-Saëns ganz zurücknehmen, und bleibt dennoch mit seinem feinsinnig perlenden Spiel stets musikalischer Anziehungspunkt.

Die beiden Streicher, der Geiger Philipp Bohnen (29) und der aus China gebürtige Bratscher Wen Xiao Zheng (31), trafen sich zu Drei Madrigalen von Bohuslav Martinu. Drei erstaunliche Stücke, die aus den beiden Instrumenten einen vielgestaltigen Tonstrang banden. Mit fabelhaftem Wechselspiel, ständig in Hochspannung aufeinander reagierend, gaben die beiden sich alle Streicherraffinessen von Trillern, Doppelgriffen, Arpeggien und klangvollen Linien blitzschnell hinüber und herüber. Ein perfektes Zusammenspiel, und das nach nur einer Ensembleprobe! Wohnen und arbeiten doch alle an unterschiedlichen Orten.

Bedenkt man, dass in dieser unglaublich kurzen Zeit jeder sich anpassen, etwas von den eigenen Vorstellungen abgeben und andere annehmen muss, so kann man den Ensemblesinn in Claude Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe nur bewundern.

Die zauberhaften Klangverwandlungen, Tempoänderungen und Ausdrucksnuancen setzten dem Abend einen so hinreißenden Schluss, dass man sich doch ein North Metal Impressionist Quartet wünschte! Und eine Komposition für genau diese Viererbesetzung!

Die Flötistin Daniela Koch wird am 6. Juli in Ulrichshusen als Solistin an Stelle von Jozef Hamerník mit dem Landesjugendorchester MV musizieren.

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