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Ensemblepreis 2012 der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern : Preis für Dissonanz und Romantik

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Das Heath Quartet gehörte bereits 2009 zu den Favoriten auf den Ensemblepreis der Festspiele MV. Damals ging das Los damals an den vier jungen Briten vorbei. Doch nun wird das Heath Quartet Ensemble-Preisträger 2012!

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erstellt am 27.Jun.2013 | 07:30 Uhr

Hasenwinkel | Das Heath Quartet, ein Streichquartett, das sich 2002 in Manchester gründete, gehörte bereits 2009 zu den Favoriten auf den Ensemblepreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Doch ist das musikalische Vermögen in der Reihe Junge Elite so hoch - und die Juryentscheidung für das Publikum entsprechend spannend, dass das Los damals an den vier jungen Briten vorbeiging. Doch nach ihrem erneuten Auftritt im vergangenen Sommer war klar: das Heath Quartet wird Ensemble-Preisträger 2012!

Der Preis in Höhe von 10 000 Euro kommt seit Jahren von der NORDMETALL-Stiftung. Ihr Vorstandsvorsitzender Wolfgang Würst, der seine kurze Laudatio zur Preisverleihung am Mittwochabend auf Schloss Hasenwinkel in Englisch hielt, betonte darin die Folgen des Preises: jährliche Wiedereinladung zu den Festspielen und damit Integration in die große Familie der Festspiel-Preisträger, eine internationale Vernetzung junger Künstler also, aus der Innovationen und neue Projekte zu erwarten sind. Deshalb fühle er sich mehr als Beschenkter denn als Gebender, formulierte Würst. Worauf sich die Geigerin Cerys Jones für das Quartett artig auf Deutsch bedankte: "Wir freuen uns auf die Rückkehr!"

Das Programm, das sie nach Hasenwinkel mitgebracht hatten, war anspruchsvoll und keineswegs populär. Mit Haydns G-Dur-Quartett aus op. 77 begaben sie sich an die Quelle der Gattung. Da konnte man schon wesentliche Züge ihres Spiels he raushören: eine energische Heftigkeit, ja ein angriffslustiger Zug in den schnellen Sätzen, dem im langsamen Adagiosatz tiefgreifende Empfindsamkeit und spannungsvolle Melodik gegenüberstanden.

Nach Haydn mit Alban Bergs Streichquartett op. 3 hinein in den Übergang von der Spätromantik zur Moderne. Hier kosteten die Musiker die breit ausgefalteten Nachklänge romantischer Empfindungen wie auch den Schmerz gehäufter Dissonanzen aus bis zur Erschütterung der Seele. Mitten hinein in solche Exzesse streuten sie Floskeln von allerzartestem Klang, die aus einem unverständlichen Traum zu kommen schienen und in leise Geräusche zerbröselten. Da äußerte sich ein jugendlich unmittelbarer Zugang zu den Umbrüchen, die unsere heutige Lebenssituation zubereiteten und alles Überwundene als Sehnsucht zurückließen.

Zum Abschluss Mendelssohns 5. Streichquartett in Es-Dur, ein raffiniert gearbeitetes Werk, aber - vielleicht gerade deshalb - kein Publikumsrenner. Aus dem Scherzo machte Primarius Oliver Heath mit seinem Quartett einen echten Mendelssohn: nicht schlechthin schnelles Tempo, sondern eine Jagd, irrwitzig und ohne Halt, die das perfekt virtuose Spiel zu atemberaubender Wirkung brachte. Danach eine Adagio-Atmosphäre von sehr intimer Nachdenklichkeit, der die Zuhörer in lautloser Andacht folgten. Mit rasantem Spiel und der Wucht eines quasi sinfonischen Klanges endete der Abend unter langem stürmischem Applaus. Willkommen in der Preisträger-Familie!

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