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Studie für MV vorgestellt : Praxen überfüllt: Trotzdem sind Ärzte zufrieden

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Von Hausbesuch zu Hausbesuch hetzend, unter der Arbeitsbelastung und übervollen Wartezimmern leidend - so werden Hausärzte überwiegend in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Doch der Schein trügt offenbar.

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erstellt am 17.Aug.2012 | 07:29 Uhr

Schwerin/Rostock | Von Hausbesuch zu Hausbesuch hetzend, unter der Arbeitsbelastung und übervollen Wartezimmern leidend - so werden Hausärzte überwiegend in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Doch der Schein trügt offenbar, die meisten niedergelassenen Allgemeinmediziner in Mecklenburg-Vorpommern sind mit ihrer beruflichen Situation zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt eine gestern vorgestellte Studie des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Rostock, die das Sozialministerium des Landes in Auftrag gegeben hat.

Von den 1133 im November 2011 im Land niedergelassenen Hausärzten hätten 568 die mehr als 60 Fragen beantwortet, so der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin, Prof. Dr. Attila Altiner. "Damit ist das Ergebnis repräsentativ". Drei Viertel aller Hausärzte im Land sind demnach mit ihrer beruflichen Situation zufrieden oder sehr zufrieden, Ärztinnen noch etwas mehr als Ärzte, junge Mediziner mehr als ältere. Als Hauptgrund wurde die "extrem gute" Arzt-Patienten-Beziehung genannt, so Prof. Altiner. Wenn die stimme, seien Mediziner auch bereit, negative Faktoren wie eine hohe Arbeitsbelastung und großen bürokratischen Aufwand hinzunehmen. Allerdings erklärte die Hälfte der Ärzte, dass die Anzahl der zu behandelnden Patienten in den letzten Jahren stark angestiegen sei und dass sie sich mehr Zeit für deren Betreuung wünschten. Das sei ein deutliches Achtungszeichen, so Altiner: Wenn die Patientenzahl immer höher werde, könnte dadurch die Berufszufriedenheit sinken. Auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes (KVMV) sei man sich dieser Problematik bewusst, so deren Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang Eckert. Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern würden schon heute pro Quartal mit 1200 etwa 200 Patienten mehr behandeln als ihre Kollegen im Bundesdurchschnitt. Das habe eine bundesweites Monitoring ergeben. Dennoch würden 87 Prozent der Hausärzte im Land ihren Beruf immer wieder wählen, das sei die höchste Zufriedenheitsrate in allen Bundesländern, betont der KVMV-Chef.

Einfluss auf die Berufszufriedenheit habe auch die Vergütung, so Prof. Altiner. Etwa die Hälfte der Hausärzte im Land fühle sich fair und angemessen honoriert. Nach der Erhebung der Kassenärztlichen Vereinigung sind sogar 67 Prozent der Hausärzte mit ihrem Einkommen zufrieden. Kritisch sehen die Mediziner allerdings drohende Regressforderungen - auch wenn diese nur selten in Anwendung kämen, empfinde die Mehrheit der Mediziner allein die theoretische Möglichkeit als Geringschätzung ihrer Arbeit, so Altiner.

Für Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) ist die Studie ein Pfund, mit dem sie bei der Werbung neuer Ärzte wuchern will. Schon jetzt seien 175 Hausarztsitze im Land unbesetzt, weitere 200 Hausärzte werden in den nächsten fünf Jahren altersbedingt ihre Praxen aufgeben. Die Studie belege, dass sich die Nachfolge lohne - gerade auch für Frauen, so die Ministerin. Durch Bürokratieabbau ließe sich die Berufszufriedenheit noch mehr steigern, ist Schwesig überzeugt. Die Abschaffung der Praxisgebühr wäre ein erster Schritt in diese Richtung.

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