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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 17:55 Uhr

Präzision im Hochsicherheitsstall

vom

svz.de von
erstellt am 17.Mai.2010 | 10:04 Uhr

Riems | Der Weg zu Deutschlands am strengsten abgeschotteten Tierstall führt durch ein Labyrinth fensterloser Gänge. Auf der zur Seeseite mit Nato-Stacheldraht gesicherten Insel Riems streift Christian Wolfgramm durch den Rohbau des Hochsicherheitstrakts des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI). Prüfend fährt der Chef der bundesweit größten Baustelle im Forschungsbereich mit der Hand über die Wand. Kleinste Unebenheiten stimmen ihn unzufrieden. "Da muss noch nachgeschliffen werden", fordert der Fachmann. Weil sich zum Beispiel in Fliesen bei der Desinfektion Viren und Bakterien halten könnten, muss ein superglatter Putz auf das Mauerwerk. "Insgesamt bringen wir sieben Schichten Spezialspachtel auf, die immer wieder geschliffen werden", sagt der Chefpolier und öffnet eine mit Edelstahl ausgekleidete Schleuse. Die wenigen Spezialisten, die künftig Zutritt zum Superstall der weltweit höchsten Sicherheitsstufe L4 haben werden, müssen durch mehrere hermetisch schließbare Räume, in denen sie sich duschen und umziehen müssen.
Nur im dichten Skaphander, einer raumanzugartigen Schutzbekleidung mit separater Atemluftversorgung, können künftig jene Versuchsställe und Labore aufgesucht werden, in denen jetzt noch Monteure 25 Kilometer an Lüftungs- und 130 Kilometer Rohrleitungen sowie über 1000 Kilometer Kabel verlegen. Durch eine schwere Spezialtür betritt man einen blitzblanken Raum mit sechs Tierboxen, automatisch befüllbaren Tränken, Sprinkleranlagen, Dunstabzügen und Abflüssen.
"Nichts, aber rein gar nichts wird unkontrolliert diesen Unterdruckraum verlassen", versichert Institutssprecherin Elke Reinking. Abluft, Abwässer und Fäkalien würden durch ein separates Leitungssystem entsorgt, gefiltert und keimfrei behandelt. Selbst die Körper der abgetöteten Tiere würden nach den Tests in abgedichteten Systemen zu einem Brei verkocht, der anschließend verbrannt werde.
Insgesamt 163 Stallräume für Rinder, Pferde, Schweine und Kleintiere sowie 44 Aquarien für Fische befinden sich in dem Spezialstall. Die Bereiche in den Biosicherheitsstufen von L2, zum Beispiel für die Arbeit mit Herpesviren, über L3 für BSE-Forschungen bis zur Hochsicherheitsstufe L4 sind hermetisch voneinander getrennt. Die beiden L4-Ställe, in denen mit hochgefährlichen Erregern wie Ebola, SARS oder dem Nipah-Virus bei Schweinen experimentiert werden könne, seien als Box-in-Box-System im L3-Trakt integriert, so Reinking. Weltweit gebe es nur noch zwei solcher Einrichtungen, im kanadischen Winnipeg und im australischen Geelong.

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