Pürzelprämie : Prämie für tote Schweine

Feuer frei: In MV wurden 86 000 Wildschweine erlegt.
Feuer frei: In MV wurden 86 000 Wildschweine erlegt.

Pestgefahr: Jäger in MV bringen 86 000 Wildschweine zur Strecke. Gleichzeitig werden die Zuschüsse für den Hundeeinsatz erhöht

svz.de von
19. Juni 2018, 20:45 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern macht ernst mit der Dezimierung seines großen Wildschwein-Bestandes: Die Jäger im Nordosten haben im zurückliegenden Jagdjahr (April bis März) 85 949 Schwarzkittel erlegt und damit so viele wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1972. Dies sei ein wichtiger Beitrag gegen die Ausbreitung der gefürchteten Afrikanischen Schweinepest, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin.

Die Tierseuche, gegen die es bislang keine Impfung gibt, tritt seit einiger Zeit in Osteuropa auf. In Polen gebe es Fälle bis zu 400 Kilometer an die Grenze zu MV heran, sagte Backhaus. Ein Übergreifen auf den Nordosten hätte dem Minister zufolge verheerende wirtschaftliche Folgen für Landwirte und Verarbeiter von bis zu 980 Millionen Euro. Wildschweine gelten als Überträger. Aber auch Tiertransporte und der Mensch könnten die Seuche einschleppen, warnte Backhaus. Viren könnten an der Kleidung und an Fahrzeugen haften oder auch in mitgebrachtem schweinefleischhaltigen Proviant enthalten sein.

Nach Backhaus' Worten ist die verstärkte Jagd auf Wildschweine nicht zu Ende. Für eine nachhaltige Reduzierung des Bestandes seien mehrere Jahre nötig. Das am 1. Dezember 2017 in Kraft gesetzte Schwarzwildmaßnahmepaket, das unter anderem eine „Pürzelprämie“ von 25 Euro für jedes geschossene Wildschwein enthält, werde deshalb vorerst bis zum 31. März 2019 fortgeführt. Der Einsatz von Jagdhunden soll sogar besser vergütet werden – die Entschädigung dafür steige von 25 auf 50 Euro je Hund und Tag. Für den Schwarzwildfonds hat das Land insgesamt zwei Millionen Euro bereitgestellt. Für 27 484 erlegte Wildschweine sei bislang eine Prämie von 720 825 Euro gezahlt worden, sagte Backhaus: „Im Vergleich zu den drohenden Kosten bei einem Schweinepestausbruch in MV „gut angelegtes Steuergeld – ein Vertrauensbeweis für die Jäger, Lohn für gute Arbeit.“ Der Landesjagdverband MV (LJV) hatte zuvor Zweifel an der Wirkung der Prämienzahl geäußert. Die Jäger seien sich auch ohne die Prämie ihrer Verantwortung bewusst gewesen, den Wildschweinbestand zu reduzieren, erklärte LJV-Präsident Volker Böhning gestern: „Passionierte Jäger schießen auch so.“ Allerdings sei die Pürzelprämie ein willkommender Ausgleich für den „radikalen Verfall der Wildfleischpreise.“ Zeitweise hätten Jäger nur noch zehn Cent für ein Kilogramm Wildschweinfleich erhalten. Inzwischen seien die Preise wieder auf 50 Cent je Kilogramm gestiegen. Backhaus zufolge zahlten die Forstämter sogar einen Euro je Kilogramm.

Die Gefahr ist indes nicht vorbei: Auch in diesem Jahr müsse mit einem starken Zuwachs im Wildschweinbestand gerechnet werden, sagte Backhaus Das Frühjahr habe den Tieren optimale Bedingungen geboten. Backhaus: „Die vermehren sich prächtig.“ Etwa 60 000 bis 70 000 Stück Schwarzwild müssten im neuen Jagdjahr geschossen werden. Vor allem der Bestand an Bachen sei zu reduzieren.

Unzufrieden zeigte sich der Agrarminister mit den Bauern. Zu wenige Landwirte seien bislang dem Appell gefolgt, in Maisfeldern Schneisen für die Wildschweinjagd zu lassen und Mais nicht bis an den Waldrand zu säen. Sollte sich nichts ändern, müssten betroffene Landwirte vom Jagdjahr 2019/20 an damit rechnen, keine Entschädigung aus der Wildschadensausgleichskasse zu bekommen, wenn Wildschweine auf ihren Feldern Schäden anrichten.

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