Pädagogium Putbus : Prachtbau zum Schnäppchenpreis

Blick auf das ehemalige IT-College Putbus und den Auktionkatalog  Fotos: stefan sauer
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Blick auf das ehemalige IT-College Putbus und den Auktionkatalog Fotos: stefan sauer

Pädagogium am Circus von Putbus kommt drei Jahre nach der Insolvenz des IT-College unter den Hammer

svz.de von
25. November 2015, 12:00 Uhr

Die Schulbänke stehen da, als wären sie gerade verlassen worden. An der Wand zeugt die Urkunde als „Ausgewählter Ort“ im Land der Ideen aus dem Jahr 2010 von besseren Zeiten. Das IT-College im historischen Pädagogium der Stadt Putbus wurde vor fünf Jahren in der Bundesinitiative als Aus- und Weiterbildungsstätte für die IT-Branche in wohlfeilen Worten gelobt.

An einem weißen Ort – dem klassizistischen Circus der Fürstenstadt Putbus – sollte sich weiße Technologie etablieren und auf Rügen zukunftssichere, saubere Arbeitsplätze schaffen. Bis zu 300 Aus- und Weiterbildungsteilnehmer besuchten zeitweilig die Einrichtung. Land und Bund hatten die Sanierung des baufälligen historischen Denkmals mit 6,5 Millionen Euro gefördert.

Doch der Optimismus von 2010 war schon kurze Zeit später verflogen. 2012 ging das IT-College in Insolvenz. Jetzt wird der Sitz, das aufwendig sanierte klassizistische Pädagogium, für einen Schnäppchenpreis versteigert. Die Stadt Putbus sitzt auf einem Schuldenberg, Land und Bund müssen womöglich einen Großteil der Fördermittel in den Wind schreiben.

Rechtsanwalt Uwe Degen-Gellenbeck, der die Insolvenzverwaltung übernahm, sieht den Grund für die Insolvenz rückblickend im Missmanagement der Geschäftsführung des Bildungsträgers. „Man hat mehr ausgegeben als man hatte: zu viele Mitarbeiter, ein zu großer Fuhrpark. Dazu kamen sinkende Schülerzahlen“, sagt er. Von der Grundidee einer privaten IT-Ausbildungsstätte auf der Insel Rügen zeigt er sich indes noch heute überzeugt.

Das klassizistische Pädagogium, das einem Hypothekenverband von Bund, Land, Sparkasse und Stadt gehört, kommt bei der Winterausgabe der Norddeutschen Grundstücksauktionen ab einem Mindestgebot von 1,79 Millionen Euro unter den Hammer. Im Vergleich zum Verkehrswert, der laut Insolvenzverwalter 2012 mit zehn Millionen Euro angegeben war, scheint das Angebot ein Schnäppchen zu sein.

Insolvenzverwalter Degen-Gellenbeck hofft angesichts mehrerer Interessenten, dass der Preis in der Versteigerung nach oben getrieben werden kann. Das wäre auch im Sinne der Gläubiger. Rund elf Millionen Euro an Verbindlichkeiten stehen laut Degen-Gellenbeck der Insolvenzmasse gegenüber, in der eigentlich nur das Gebäude einen wirklichen Posten darstellt. Das Schulmobiliar ist sechs Jahre alt, ebenso die Computertechnik, auf der noch XP als Betriebsprogramm installiert ist. Land, Bund, Stadt und Sparkasse haben als Grundpfandgläubiger besondere Sicherungsrechte. Ihnen kommen anteilig die Erlöse aus der Versteigerung zu.

Für die Stadt ist mit der Insolvenz der Traum vom IT-Cluster auf Rügen geplatzt. Die Stadt, die seitdem auf einem Schuldenberg sitzt, wird maximal 700 000 Euro aus der Versteigerung erhalten, wie Bürgermeister Harald Burwitz sagt. Land und Bund verzichteten 2014 auf die Forderung, ein neuer Investor müsse den Fördermittelbescheid übernehmen und das Gebäude als Bildungsstätte weiterführen, wie Degen-Gellenbeck sagte. Damit könnten sich neben privaten Bildungsträgern auch Hoteliers oder Klinikbetreiber um das Gebäude bewerben.

Nach Angaben von Burwitz hat die Stadt für das IT-College mit rund 600 000 Euro und für das IT-Science-Center mit rund 1,2 Millionen Euro gebürgt. Mit den Erlösen könnten nun die Verluste der Stadt abgearbeitet werden, so seine Hoffnung. Dennoch ist er unglücklich mit der Situation.

„Es ist schlimm, dass wir dann keinen Einfluss mehr auf das Gebäude haben werden.“ Er wünsche sich, dass ein neuer Investor die Idee des ursprünglichen Bestimmungszwecks als Bildungseinrichtung wieder aufnimmt. Die Stadt, die in den vergangenen 20 Jahren 15 Prozent ihrer Bevölkerung verlor, könnte solche Impulse vertragen.

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