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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 07:36 Uhr

Steuererklärung : Post vom Finanzamt prüfen

vom

Im Nordosten sei mit mehr als 13 000 fehlerhaften Daten bei der Lohnsteuer zu rechnen. Im System seien mehr falsche Angaben etwa zu Kinderfreibeträgen gespeichert als befürchtet.

svz.de von
erstellt am 09.Nov.2011 | 11:39 Uhr

Die elektronische Lohnsteuerkarte hängt weiter in der Warteschleife. Der für den 1. Januar 2012 geplante Start ist verschoben worden. "Das betrifft allerdings nur die Abfrage der gespeicherten Daten durch Arbeitgeber", sagte Silke Bruns vom Bundesministerium für Finanzen. Der neue Termin solle nun im zweiten Quartal 2012 liegen. Grund für die Verzögerung seien Schwierigkeiten bei der Erprobung des Abrufverfahrens. Die Daten, die bis 2010 auf der farbigen Lohnsteuerkarte aus Pappe standen, sind jetzt in einem zentralen Datenspeicher der Finanzverwaltung erfasst. Die Lohnbüros der Arbeitgeber sollen sie dort künftig auf elektronischem Weg abrufen.

Falsche Daten - falsche Lohnsteuerabzüge

Auf die Meldungen der Meldeämter an die Finanzverwaltung und die Information der Steuerzahler hat die Terminverschiebung keinen Einfluss. Sie laufen weiter. So erhält jeder Arbeitnehmer ein Schreiben, in dem das zuständige Finanzamt ihn über seine gespeicherten "elektronischen LohnSteuer - AbzugsMerkmale" (ELStAM) informiert. Das sind in der Regel die Daten, die bisher auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte vermerkt waren - neben Anschrift und Steueridentifikationsnummer (ID) also die Steuerklasse, Religionszugehörigkeit und Freibeträge etwa für Kinder oder bei körperlichen Behinderungen. Die Schreiben der Finanzverwaltung sollten auf keinen Fall ungelesen in der Ablage landen. "Jeder Steuerzahler ist dringend angehalten, die gespeicherten Steuer-Daten zu überprüfen", rät Jörg Hähnlein, Geschäftsführer der Steuerberaterkammer Mecklenburg-Vorpommern. "Bei Fehlern drohen falsche Lohnsteuerabzüge, die erst mit der nächsten Steuererklärung zurückgefordert werden können." Neben Rückerstattungen sind auch Steuernachzahlungen denkbar, wenn die Angaben zu einem zu geringen Lohnsteuerabzug führen. Und Fehler sind offenbar keine Seltenheit.

Korrekturen über das Finanzamt

"Im System sind mehr falsche Angaben etwa zu Kinderfreibeträgen oder zur Steuerklasse gespeichert als befürchtet", sagte der Sprecher des Finanzministeriums MV, Stephan Bliemel, gestern. Im Nordosten sei mit mehr als 13 000 fehlerhaften Daten zu rechnen. Nachdem die Infopost an 640 000 Bürger im Land verschickt worden war, habe es einen "regelrechten Ansturm" auf die Finanzämter gegeben. Nur sie können die gespeicherten Lohnsteuer abzugsmerkmale korrigieren - nicht mehr die Gemeinde. Möglich ist das in vielen Fällen per Telefon. Die Korrekturen können aber auch per Post, E-Mail oder Fax an das Finanzamt geschickt werden. Vordrucke für die Korrektur gibt es im Internet unter anderem unter steuerportal-mv.de oder formulare-bfinv.de/ffw/content.do.

"Freibeträge wegen höherer Aufwendungen, zum Beispiel für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, müssen bis zum Jahresende in jedem Fall neu beantragt werden, um bei der Lohnabrechnung berücksichtigt werden zu können", erklärt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine. Das Gleiche gilt für Ehepaare, die statt der Steuerklassenkombination III und V lieber den Faktor zur Steuerklasse IV nutzen wollen. Dieses Verfahren führt bei größeren Einkommensunterschieden zu geringeren Lohnsteuern und bei Arbeitslosigkeit zu höheren Leistungen.

Die Lohnsteuerkarte 2010 war die letzte, die von den Gemeinden gedruckt und versandt worden war. Derzeit besteht eine Übergangszeit vom alten zum neuen Verfahren. Die Lohnsteuerkarte 2010 behalte ihre Gültigkeit, bis das neue Verfahren in Gang gesetzt sein wird, informiert das Bundesfinanzministerium. Wie mit Änderungen zwischen dem 1. Januar 2012 und dem neuen Starttermin verfahren werden soll, wird derzeit noch geklärt.

Neuem Arbeitgeber Identifikationsnummer mitteilen

Das ELStAM-Verfahren soll für alle Beteiligten schneller und bequemer ablaufen. Doch auch wenn es sinnvoll sei, im Steuerverfahren moderne Kommunikationswege zu nutzen, sollte nach Ansicht der Steuerberaterkammer MV darüber nachgedacht werden, ob man wirklich immer umfangreichere Datensätze über den einzelnen Steuerpflichtigen erheben muss. "Das Datensammeln sollte auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben", fordert Jörg Hähnlein. "Es muss für den Einzelnen nachvollziehbar und kontrollierbar sein, was über ihn bei der Finanzverwaltung vorliegt."

Beim ELStAM-Verfahren muss der Steuerzahler, wenn er eine neue Beschäftigung aufnimmt, seinem Arbeitgeber nur noch einmalig sein Geburtsdatum und seine steuerliche Identifikationsnummer mitteilen und erklären, ob es sich um ein Haupt- oder Nebenarbeitsverhältnis handelt. Mithilfe dieser Informationen können die Daten für den Lohnsteuerabzug aus dem zentralen Speicher abgerufen werden. Hat das Arbeitsverhältnis bereits im Jahr 2010 oder 2011 bestanden, liegen dem Arbeitgeber die Informationen in der Regel bereits vor. Sie werden - anders als zu Zeiten der alten Lohnsteuerkarte - nicht jährlich neu mitgeteilt. Gibt es aber Änderungen bei den Daten, wird beim ELStAM-Verfahren der Arbeitgeber künftig darüber informiert. Er bzw. das beauftragte Lohnbüro können auf die aktuellen Informationen dann elektronisch zugreifen.

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