Öko-Fahrzeugflotte : Post-Scooter irritieren Dorfhunde

80 Kilometer Reichweite, nahezu geräuschlos und vor allem emissionsfrei: Zustellerin Andrea Krause fährt in Wismar mit einem Elektroauto die Post aus.
80 Kilometer Reichweite, nahezu geräuschlos und vor allem emissionsfrei: Zustellerin Andrea Krause fährt in Wismar mit einem Elektroauto die Post aus.

In Mecklenburg-Vorpommern sind 21 elektrische Zustellfahrzeuge unterwegs – weitere folgen

svz.de von
21. September 2017, 12:00 Uhr

Das verwirrt die Hunde am Gartenzaun: Bislang konnten wartende Postkunden auf dem Land in den Regionen Wismar, Ludwigslust und Brüel am Hundegebell die Route des Postautos erkennen – Gekleffe im Minutentakt. Doch seit die Deutsche Post auf umweltfreundliche E-Autos umstellt und nahezu geräuschlos die Kunden ansteuert, herrscht Stille am Briefkasten: „Das irritiert die Hofhunde“, scherzt Jens-Uwe Hogardt. Sie hörten nicht mehr, wann das Postauto komme, erklärt der Post-Sprecher – Flottenwechsel beim weltweit größten Logistikkonzern.

Leuchtend gelb, robust, einfach, ohne jeden Schnickschnack, aber mit Power im Elektromotor, allen Sicherheitsstandards und besonders leichtgängigen Ladetüren: Der Einsatz des leisen StreetScooters der Post macht für Andrea Krause längst keinen Unterschied mehr. „Der fährt sich wie ein Auto mit Automatik-Schaltung“, meint die Zustellerin. Gerade erst hat sie an diesem Morgen ihren Wagen beladen. Briefe, Päckchen, Pakete – alles hat sie auf der deutlich höheren Ladefläche des E-Lasters verstaut: „Das geht nicht mehr so auf den Rücken“, meint Krause und schließt die letzte der drei Ladetüren. „Alles drin“, sagt sie und zieht den Netzstecker der Ladestation aus ihrem gelben Flitzer: „Auf gehts.“ Vorwärtsgang rein – und nahezu geräuschlos fährt sie vom Hof. Mehr als vier Stunden wird sie unterwegs sein, um die Sendungen zuzustellen – kleine, große, leichte, schwere Pakete, dünne, dicke Briefe. Vier Kubikmeter Ladung kann die Postfrau in den gelben E-Flitzer laden – zuvor nach Zustellbereichen sortiert. Allein die Zustellbasis in Wismar liefert täglich im Schnitt 20 000 Briefe und 2700 Pakete aus, bundesweit sind es 59 Millionen Briefe– seit Monaten nahezu emissionsfrei.

Andrea Krause steuert einen der 21 neuen elektrischen StreetScooter, die bislang in MV im Stadtverkehr und rund um Wismar, Ludwigslust und Brüel die alten Diesel-Transporter abgelöst haben. Peu à peu kämen weitere Fahrzeuge hinzu, so Post-Sprecher Hogardt – demnächst in Hagenow, aber auch in Rostock, Güstrow und Neubrandenburg. Etwa 80 Fahrzeuge kämen in MV in diesem Jahr noch hinzu.

Nach dem Bau des Prototyps 2012 seien bundesweit inzwischen 3400 E-Postautos im Einsatz. Der gelbe Riese hat einen der größten Flottenwechsel in Deutschland gestartet. 47 000 Fahrzeuge – bis 2025 wolle der Konzern die eigene Zustellung zu 70 Prozent mit emissionsfreien Zustell- und Abholkonzepten durchführen. Bis 2050 solle die gesamte Zustellung der Post emmissionsfrei sein. „Das ist die Zukunft.“ Die Post-Umweltstrategie, in Städten und auf dem Land die CO2-Belastung zu reduzieren, war lange vor dem Dieselskandal beschlossen, erklärt Hogardt. Entwickelt wurde der StreetScooter seinerzeit an der Hochschule Aachen, bevor die Post das ausgegründete Start-Up-Unternehmen aufkaufte und mit einer Tochterfirma zum Autobauer aufstieg. Ein verlorenes Geschäft für die etablierten Autokonzerne: Keiner der Fahrzeugbauer habe seinerzeit an einem solchen E-Fahrzeug entwickelt. Und so schrauben in einem eigenen Werk der Post derzeit 200 Mitarbeiter bis zu 40 Fahrzeuge am Tag zusammen. Nun soll ein weiteres Montagewerk hinzukommen. Künftig wolle der Logistiker 10 000 Fahrzeuge im Jahr fertigen, sagt Hogardt. Schon jetzt gehört die Post in Deutschland zu den großen Herstellern von E-Autos. Inzwischen verkauft der Konzern das E-Auto auch an Interessenten außerhalb des Konzerns, insbesondere an Gewerbetreibende. Auch viele Kommunen hätten Interesse angemeldet. Mit einer Ladung der 290 Kilogramm schweren Batterie ließen sich bis zu 80 Kilometer fahren.

Der Wagen kommt an: Immer wieder würden sich Kunden den neuen StreetScooter erklären lassen, erzählt Post-Bereichsleiter für Westmecklenburg, Jochen Riekenberg: „Der Einsatz stößt auf eine positive Resonanz.“ Auch Kunden forderten immer öfter eine umweltschonende Zustellung. Vor allem aber erleichtert der Street Scooter den etwa 25 Zustellern der Wismarer Post-Basis den Job. Bis zu 300 Stopps für bis zu 1200 Kunden müssen die Zusteller im Schnitt am Tag einlegen – Schwerstarbeit im Zustelldienst. „Da braucht man am Abend nicht mehr ins Fitnessstudio“, meint Andrea Krause. Im Diesel-Transporter kuppeln, Gang einlegen, anhalten, aussteigen, zustellen und alles wieder von vorn – das war einmal. Der StreetScooter sei auch nach den Wünschen der Zusteller konzipiert worden – höhere Sitze, höhere Ladeflächen: „Das geht nicht mehr so auf den Rücken“, sagt Krause.

Mitten im Dieselskandal baut die Post ihr Umweltengagement nun noch weiter aus. Gerade erst präsentierte der Post- und Logistikkonzern zusammen mit dem Autobauer Ford einen größeren E-Transporter – für die Paketzustellung in Großstädten. Aufladestationen, Stellplätze: Die Wismarer Zustellbasis ist auf den Flottenzuwachs längst eingestellt: Alles vorbereitet, meint Bereichsleiter Riekenberg. Am Ende der Zustelltour am Nachmittag bleibt für Postfrau Andrea Krause indes nicht mehr viel zu tun: Stecker in die Aufladestation – fertig.

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