Warnow : Posse um einen Gehweg

Hier war der Gehweg und da soll er auch wieder hin:  Das fordern Peter Müller, Petra Ahnfeld und Jörg Boomgarden aus Diedrichshof.
Foto:
Hier war der Gehweg und da soll er auch wieder hin: Das fordern Peter Müller, Petra Ahnfeld und Jörg Boomgarden aus Diedrichshof.

Warnows Bürgermeister entfernt eigenmächtig Betonsteine, um sie woanders zu verbauen – nun müssen neue her

von
25. November 2014, 07:42 Uhr

Petra Ahnfeld ist außer sich vor Wut. Die 50-Jährige kann es immer noch nicht fassen: Nur wenige Meter von ihrem Grundstück in Diedrichshof entfernt ist der Bürgersteig verschwunden. Bauarbeiter haben den knapp 60 Meter langen Gehweg Stein für Stein abgetragen. Der Grund klingt unglaublich: Die kleinen Betonquader werden für Baumaßnahmen im Hauptdorf Warnow in der Nähe von Bützow gebraucht. Und weil die Kasse der Kommune klamm ist, hat sich Warnows Bürgermeister eben in Diedrichshof bedient – ohne die Zustimmung der anderen Gemeindevertreter.

„Das ist doch unmöglich, dass sie uns hier den Bürgersteig wegnehmen“, sagt Petra Ahnfeld. Eines Morgens habe die gelernte Verkäuferin die Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe zu ihrem Haus mitbekommen. „Ich habe gerade mit einer Bekannten gefrühstückt. Durch das Fenster in der Küche habe ich gesehen, wie die Männer einen Gehwegstein nach dem anderen wegtrugen“, erzählt Ahnfeld.

Wutentbrannt habe sie Warnows Bürgermeister Siegfried Hoffmann angerufen und zur Rede gestellt. Von ihm habe sie erfahren, dass er die Steine in das Hauptdorf verlegen ließ, um sie dort verbauen zu können. Die Gemeinde wolle damit einen befestigten Untergrund errichten für das Sparkassenmobil, das einmal die Woche in Warnow Station macht. Auf ihre Beschwerde habe sie von ihm zu hören bekommen, dass in Diedrichshof eh keiner auf dem Bürgersteig laufen würde.

Unsere Nachfragen ergaben: Warnows Bürgermeister handelte eigenmächtig. Die anderen Gemeindevertreter wussten nichts von seinem Vorhaben. „Ich war ganz überrascht. Das war nicht mit uns abgesprochen“, sagt Warnows stellvertretender Bürgermeister Lutz Ritter. Vor gut einem Jahr sei die Verlegung der Steine unter den Abgeordneten thematisiert, letztlich aber abgelehnt worden. „Damit war für mich das Thema eigentlich im Sand verlaufen“, so Lutz.

Bürgermeister Hoffmann entschied nun doch anders. Seiner Meinung nach sei der Bürgersteig nicht notwendig. Als Grund gibt er eine Zufahrt an, über die auch das Haus von Petra Ahnfeld zu Fuß erreichbar ist.

Gleichzeitig gibt er zu, das Abbauen des Gehwegs ohne die Zustimmung der Gemeindevertretung beauftragt zu haben. „Das habe ich selbst entschieden“, sagt er. Er habe sich zudem nicht darüber informiert, ob sein Entschluss mit der Kommunalverfassung konform geht. Der Bürgersteig war vor knapp 14 Jahren aus Mitteln der Fusion der Gemeinden Rosenow und Lübzin gebaut wurden.

„Das ist doch unglaublich. Die Gemeinde hat uns quasi beklaut“, äußert sich Ahnfelds Ehemann, Jörg Boomgarden, empört. Auch andere Diedrichshofer sind fassungslos. „Das ist eine bodenlose Frechheit. Der fehlende Bürgersteig ist eine Gefahrenquelle sondergleichen. Hier direkt am Ortsschild fahren die Autos mit hoher Geschwindigkeit“, sagt Peter Müller.

Ihren Unmut machten die Anwohner bei der Gemeindevertretersitzung Luft, übergaben eine Liste mit Unterschriften aller Diedrichshofer an Hoffmann. Dieser entschuldigte sich für sein eigenmächtiges Vorpreschen in dieser Angelegenheit. Eine solche Entscheidung hätte mit den gewählten Einwohnern der Gemeinde- und der Ortsteilvertretung abgesprochen werden müssen, sagt er.

Eine Entschuldigung reichte den Anwohner aber nicht, sie wollten mehr. Ihre Forderung: Der Gehweg muss wieder zurück. Dem schlossen sich auch die anderen Gemeinde- und Ortsteilvertreter an. Die Folge: Mit deutlicher Mehrheit beschlossen die Kommunalpolitiker den Neubau des Gehweges mit rotem Klinker bis spätestens 5. Dezember.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen