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Wegen Missbrauchs verurteilt : Position als Lehrer "hemmungslos ausgenutzt"

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Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes ist ein Ex-Lehrer einer Schweriner Privatschule zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Mann soll sich mehrfach an einer zwölfjährigen Schülerin vergangen haben.

svz.de von
erstellt am 12.Dez.2012 | 08:28 Uhr

Schwerin | Mit Zwölf schwärmen Mädchen gern für unerreichbare Popstars. Oder für Männer aus näherer Umgebung, die für sie eigentlich auch unerreichbar sein sollten. Wie für den bekannten Radiomoderator. Oder den tollen Lehrer. Daran ist nichts Ungewöhnliches. Solange die Männer die Schwärmerei nicht auf kriminelle Weise ausnutzen. Das hat dann meist drastische Folgen für beide Seiten. Wie der Fall eines früheren Lehrers der Waldorfschule zeigt.

Der 48-Jährige saß gestern im Schweriner Amtsgericht auf der Anklagebank. Schwerer sexueller Kindesmissbrauch wird ihm vorgeworfen. Er soll sich vor rund vier Jahren an einer damals zwölf Jahre alten Schülerin vergangen haben. Als das der Schule auffiel, trennte sie sich still und offenbar recht zügig von ihrem Mitarbeiter. Aus der Welt geschafft war die Sache damit nicht. Jedenfalls nicht für das Mädchen, das nach Angaben seiner Anwältin bis heute therapeutischer Betreuung bedarf. Anfang 2012 erstattete die Jugendliche Anzeige. Daraufhin kam die juristische Maschinerie ins Rollen - und der Mann zwar nicht in Untersuchungshaft, aber doch auf die Anklagebank.

In einem Prozess, der fast vollständig hinter verschlossenen Türen geführt wurde. Das Gericht komplimentierte die Öffentlichkeit - unter Hinweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte von Angeklagtem und Opfer - schon vor der Anklageverlesung hinaus. Nach nur halbtägiger Verhandlung hatten Zuschauer dann wieder Zutritt. Jedoch nur, um das Strafmaß zu erfahren: Zwei Jahre Freiheitsentzug, ausgesetzt zur Bewährung, plus drei Jahre Berufsverbot. Den Richterspruch nachvollziehen - das konnten die Besucher nicht. Weil auch die Begründung wieder nichtöffentlich stattfand. Schon im Vorfeld wurde bei einem Rechtsgespräch der Rahmen für das Strafmaß abgesteckt.

Als Lehrer arbeitet der Mann seit 2009 nicht mehr. Er habe ohnehin keinen staatlich anerkannten Abschluss in dem Beruf, hieß es. Zudem habe er sich bereit erklärt, Schmerzensgeld zu zahlen. Und alle sieben Taten aus der Anklage gestanden. So hat er dem Mädchen - Nebenklägerin im Prozess - die Aussage vor Gericht erspart. Das wurde honoriert.

Ihre Mandantin sei nicht an einer langen Haftstrafe für ihren damaligen Lehrer interessiert, sagt Nebenklage-Vertreterin Christine Habetha. Aber der juristische Abschluss sei wichtig für die Jugendliche, damit sie das Geschehen verarbeiten könne. "Meine Mandantin hat damals im Grunde einen väterlichen Freund gesucht. Das hat der Lehrer hemmungslos ausgenutzt", betont sie. Der 48-Jährige muss sich in sexualtherapeutische Behandlung begeben und den Nachweis für einen Abschluss der Therapie vorlegen. "Mein Mandant tut, was man im Nachhinein tun kann", versichert Verteidiger Matthias Macht. Der Straftäter wohnt inzwischen in einem anderen Bundesland und arbeitet als Altenpfleger.

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