Element of Crime : Pop-Chansons gegen den Weltuntergang

Sven Regener: der Multiinstrumentalist und Kopf von Element of Crime
Sven Regener: der Multiinstrumentalist und Kopf von Element of Crime

Sven Regener und Co. liefern eine herzerwärmende Vorstellung im Rostocker IGA Park

svz.de von
09. September 2018, 20:00 Uhr

Früher Freitagabend. Eingeweihte und Neugierige strömen noch eifrig auf das weite Feld des IGA-Areals, da tritt der Textdichter, Musiker und Sänger Sven Regener überraschend auf die Bühne. Er stellt den 500 Anwesenden die Vorgruppe höchstpersönlich vor. So eine Ansage ist im heutigen Pop-zirkus ungewöhnlich. Die Vorband ist es auch. Sie nennt sich Das Paradies und bekommt während ihres kurzen, aber wirkungsvollen Auftritts mehr als den üblichen Applaus.

Nach der Umbau-Pause warten dann 1500 Fans auf Element of Crime. Die Mehrheit sucht die Nähe zur Bühne, wenige sitzen entspannt auf Decken oder Anglerstühlen außerhalb der Zeltkonstruktion, die Bühne, Band und Besuchern sicheren Schutz vor Regen und Sturm bieten kann.

Zeitreise zurück in die 1990er-Jahre

„Das Leben lief im Schweinsgalopp, die Liebe war ein Fest, der Mensch war gut. Damals hinterm Mond...“ Element of Crime beginnen ihr Konzert mit dem grandiosen Titelsong ihres 1991 erschienenen, ersten komplett deutschsprachigen Albums. Zuvor hatte das im Berliner Stadtteil Kreuzberg in der Tradition von Avantgarde und Punk gegründete Ensemble seit 1985 fünf LPs mit englischsprachigen Songs eingespielt. Von dieser nicht uninteressanten Phase ist heute nichts zu hören. Vielmehr steht eine Zeitreise zurück in die 90er-Jahre auf dem Programm. Allein vom 1993 erschienenen Album „Weißes Papier“ bringt die Band fünf Songs. Diese Veröffentlichung brachte den kommerziellen Durchbruch nach langen Hungerjahren.

Erster Jubel bei „Leider nur ein Vakuum“

Nicht verwunderlich, dass Sven Regener und seine Kollegen Jakob Ilja (Gitarre), David Young (Bass) und Richard Pappik (Schlagzeug) diese wirkungsmächtigen Lieder voller Inbrunst und Freude am Zusammenspiel offerieren. Der Sänger trägt seine Trompete beim Singen wie einen Rettungsanker in der Hand. Er erweist sich von einem Song zum anderen als erfrischend spontaner Conférencier.

Den ersten großen Jubel auf dem Platz gibt es ausgerechnet bei einem Coversong. „Leider nur ein Vakuum“ stammt von Udo Lindenberg. Die Band macht ihn mit Hilfe von Regeners Trompete sowie feinster Trommeltechnik und filigranem Gitarrenklang zu einem ganz eigenen Gebräu.

Neue LP im Oktober

„Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ folgt. Ein Lied, das auf der im für Oktober angekündigten neuen LP „Schafe, Monster und Mäuse“ zu finden sein wird. Hitverdächtig ist auch das bereits seit 2017 von der Band live vorgetragene kleine Liedwunder „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“. Ein melancholischer Song in bester Element of Crime Tradition. Ein Chanson bester Güte, das trotz der herbstlichen Stimmung hier in Rostock eine geradezu wohlige Wärme produziert. Nach 18 Songs in zwei Stunden verabschiedet sich die Gruppe mit ihrem auch bei Erdkundelehrerinnen beliebten Radio-Hit „Delmenhorst“.

Doch danach ist lange nicht Schluss. Es folgen drei Zugabe-Blöcke, die mit „Surabaya Johnny“ auch den berühmten Brecht-Weill Song bieten, der bereits seit Ende 1989 zum festen Repertoire der Gruppe gehört.

Am Ende braust anhaltender, wohlverdienter Jubel auf. Der von den Wetterfröschen angekündigte Regen hat sich nicht blicken lassen. An diesem Abend voller Glücksmomente war er obsolet.

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