Zweisprachigkeit gefragt : Polnisch immer wichtiger

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Polnisch zu sprechen wird für einen wirtschaftlichen Aufschwung im Osten MVs immer wichtiger. Deutsche Hoteliers, Gastronomen und Handwerker brauchen inzwischen polnische Grundkenntnisse.

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13. März 2013, 10:15 Uhr

Greifswald/Stettin | Polnisch zu sprechen wird für einen wirtschaftlichen Aufschwung im Osten Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsens immer wichtiger. "In Polen geht es radikal bergauf, wenn wir das nicht lernen, nutzen immer mehr Spanier und Portugiesen die Chancen bei unseren Nachbarn", sagte Alexander Wöll, Slawistik-Experte der Universität Greifswald. So bräuchten deutsche Hoteliers, Gastronomen und Handwerker inzwischen polnische Grundkenntnisse. "Auch bei der Jobsuche wird es für die Leute, die hierbleiben wollen, immer wichtiger", ist sich Wöll sicher.

Experten halten die Sprachbarriere noch immer für das größte Hindernis beim Zusammenwachsen der Länder. Am Greifswalder Slawistik-Institut wird derzeit eine Studie erarbeitet, die durchgängiges Erlernen von Polnisch von der Kita über Schulen bis zur Erwachsenenbildung sichern soll. Nach Angaben von Wöll gibt es dafür bundesweit noch kein ganzheitliches Konzept. Erste Ergebnisse der Studie, die vom Bundesbildungsministerium finanziert wird, wurden gestern auf einer Konferenz in Stettin (Szczecin) vorgestellt werden. Mecklenburg-Vorpommern hat gerade den Vorsitz in der deutsch-polnischen Bildungskommission. "Polnisch ist zwar für Deutsche schwerer zu lernen als Englisch oder Spanisch, aber leichter als Arabisch oder Chinesisch", sagte der 44-jährige Wissenschaftler. Außerdem verfügten nicht alle Polen über Englisch-Kenntnisse.

Reiche Polen, egal auf welcher Seite sie wohnten, könnten erwarten, dass Handwerker oder Dienstleister polnisch in Grundzügen sprechen. Das sei unter anderem im Großraum Stettin wichtig, die Stadt werde immer stärker wieder Oberzentrum einer ganzen Region. In Stettin und seinen Nachbarregionen leben fast doppelt so viele Menschen wie in Vorpommern und der Uckermark, die zu den bundesweit strukturschwächsten Regionen gehören.

Aus der Studie gehe hervor, das bisher zwar Polnisch vereinzelt in Kitas, Gymnasien und Regionalschulen gelehrt werde - wie in Löcknitz und Heringsdorf in Vorpommern -, es fehlten aber praktikable Angebote in Grundschulen und für Erwachsene. "Da gibt es Lücken, in Sachsen ist man da schon weiter, zum Beispiel in Görlitz", sagte Wöll.

In MV gab es schon einmal ein groß angelegtes zweisprachiges Projekt an vielen Kitas in Grenznähe, dass aber aus Geldmangel eingestellt wurde. "Das war tragisch und hat uns zurückgeworfen." Das Gesamtkonzept soll bis 2015 stehen, aber dafür seien noch weitere Bundesmittel nötig. "Man braucht einen langen Atem." Zudem seien noch viele bürokratische Hemmnisse abzubauen. So könne eine Kita in Polen ganz schnell eine deutsche Erzieherin einstellen, auf deutscher Seite sei das wegen unterschiedlicher Ausbildungsabschlüsse noch nicht so. Selbst der Besuch einer deutschen Schulklasse bei Partnern in Polen bedurfte bisher komplizierter Genehmigungen, was künftig wegfallen soll. "Wir müssen umdenken", forderte der Wissenschaftler. Polen müsse deutlich mehr als prosperierende Wirtschaftsnation wahrgenommen werden.

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