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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 05:01 Uhr

Gefahr für Allergiker : Pollen im Anflug

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit steigenden Temperaturen sind wieder mehr Allergieauslöser zu erwarten. Sicheren Schutz bietet nur eine Immuntherapie

svz.de von
erstellt am 03.Mär.2017 | 20:55 Uhr

Endlich Frühling! Bis auf 15 Grad sollen die Temperaturen heute bei uns im Nordosten klettern. Da lohnt es schon, das Fahrrad für eine erste Tour aus dem Keller zu holen oder die Laufschuhe bzw. Wanderstiefel zu schnüren. Pollenallergiker allerdings sehen die erwachende Natur mit einem lachenden und – nicht selten im wahrsten Wortsinne – einem weinen-den Auge. Für sie beginnt spätestens jetzt die jährliche Leidenszeit.

Erste Hasel- und Erlenpollen waren schon im Januar und Februar unterwegs, wie Kai Gloyna, Biologe beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock erklärt. „Mit den steigenden Temperaturen wird statt einer geringen eine mittlere bis hohe Belastung, vor allem durch Erlenpollen, zu erwarten sein“, sagt er für die kommenden Tage voraus. Dazu kämen Ferntransporte, also Pollenwolken, die bei entsprechenden Witterungsverhältnissen aus südlichen Gefilden, wo die Natur schon zwei bis drei Wochen weiter entwickelt ist, über hunderte Kilometer mit dem Luftstrom zu uns transportiert werden. „Das gab es in besonders starkem Ausmaß vor zwei Jahren mit Ambrosiapollen“, erinnert sich Gloyna. „Da haben wir eine Pollenkonzentration in der Luft gemessen, die nie und nimmer von den hier wachsenden Pflanzen stammen konnte.“

Ambrosia gehört neben Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräsern, Roggen und Beifuß zu den acht allergologisch wichtigsten Pollen in Deutschland. Für sie gibt der Deutsche Wetterdienst zusammen mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) täglich regionalisierte Daten über die zu erwartende Pollenkonzentration in der Luft heraus. Dieser Pollenflug-Gefahrenindex kann über das Internet abgerufen werden. Pollenallergiker können ihn aber auch als Newsletter abonnieren oder sich über eine App auf ihrem Smartphone informieren lassen.

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Gespeist wird der Index mit Daten von zurzeit 41 PID-Messstationen aus ganz Deutschland. Fünf davon befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern, so Kai Gloyna: in Rostock, Greifswald, Neustrelitz, Prerow und Garz auf Rügen. Die drei erstgenannten Stationen werden vom Lagus unterhalten, die beiden anderen von Kliniken an der Ostseeküste. Gemessen wird die Pollenkonzentration mit Burkhard-Fallen, erläutert der Biologe. Diese saugen mit Hilfe eines Elektromotors kontinuierlich Luft an, die an einer sich langsam drehenden Trommel vorbeigeführt wird. Auf der Oberseite der Trommel sorgt ein mit einem Trägerfilm beschichteter Plastikstreifen dafür, dass die mit der Luft eingesaugten Pollen haften bleiben. „Unter dem Mikroskop zähle ich dann aus, um wie viele Pollen welcher Art es sich handelt“, erklärt Gloyna. Daraus lässt sich dann ableiten, wie viele Pollen sich in einem Kubikmeter Luft befinden.

Beschwerden bereiten die Pollen mittlerweile schon rund 15 Prozent aller Deutschen, hat das Robert-Koch-Institut ermittelt. Das Auftreten der auch Heuschnupfen genannten Pollenallergie habe sich auf hohem Niveau stabilisiert, heißt es dort. Bei Heuschnupfen setzt der Körper als Abwehrreaktion auf Pollen den Botenstoff Histamin frei, der die typischen Symptome wie rote, brennende, geschwollene und/oder tränende Augen und einen wahlweise fest sitzenden oder fließenden Schnupfen hervorruft. Auch Asthma kann Folge einer Pollenallergie sein. Der Rat, den Betroffene am häufigsten hören, ist, Auslöser ihrer Beschwerden zu meiden. „Nur bei Regen nach draußen gehen, stoßweise lüften, vor dem Schlafengehen die Haare waschen, sich nicht im Schlafzimmer ausziehen, Pollenschutzgitter vor dem Fenster montieren, auf einen intakten Pollenfilter im Auto achten…“, zählt Kai Gloyna gängige Empfehlungen auf. Er schränkt aber selbst ein: „Ob das im Alltag umsetzbar ist, bezweifle ich.“ Wichtig sei, dass Allergiker immer Medikamente zur Behandlung ihrer Beschwerden wie Augentropfen oder Antihistaminika zur Hand haben. „Wer stark und über einen längeren Zeitraum leidet, sollte sich beim Allergologen testen lassen und eine Immuntherapie machen“, rät Gloyna. Dann könne der Frühling wieder Spaß machen.

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