Mecklenburg-Vorpommern : Polizisten im Visier der Polizei

Mit 2,2 Promille  und einer gefährlichen Autoverfolgung wurde ein Rostocker Polizist von Kollegen gestellt.  Collage: Christine Preuß
Mit 2,2 Promille und einer gefährlichen Autoverfolgung wurde ein Rostocker Polizist von Kollegen gestellt. Collage: Christine Preuß

Drogenverdacht gegen Beamtin in Ueckermünde. 14 Disziplinarverfahren bisher in diesem Jahr.

svz.de von
09. Dezember 2014, 21:00 Uhr

Wieder ist in Mecklenburg-Vorpommern eine Polizistin ins Visier der eigenen Kollegen geraten. Der dritte Fall innerhalb von vier Tagen.

Wie das Polizeipräsidium Neubrandenburg gestern gegenüber unserer Redaktion bestätigte, wurde gegen eine 49-jährige Polizeibeamtin in Ueckermünde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Drogenkonsum eingeleitet. Als die Frau am Montag nicht zum Dienst erschienen war, fuhren Kollegen zur Wohnung. Nachdem niemand auf das Klingeln reagierte, brachen sie aus Sorge die Tür auf und fanden eine Substanz, bei der es sich vermutlich um illegale Drogen handelte. „Ob es tatsächlich Rauschgift ist, wissen wir erst nach den Untersuchungen“, sagte Carolin Radloff vom Neubrandenburger Polizeipräsidium. Neben den strafrechtlichen Ermittlungen ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Die Beschuldigte soll krank geschrieben sein.

Bereits am vergangenen Freitag hatte sich ein betrunkener Beamter des Polizeireviers Dierkow in Rostock eine Verfolgungsfahrt mit Kollegen geliefert. An der Verfolgung waren sechs Streifenwagen beteiligt. Ein Alkoholtest ergab bei der Festnahme einen Wert von 2,2 Promille. Auf dem Beifahrersitz saß die 14-jährige Tochter (wir berichteten).

Ebenfalls am Freitag soll ein Schweriner Polizeibeamter einem 28-Jährigen bei einem Streit in einer Diskothek mit einem Faustschlag das Nasenbein gebrochen haben. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung ermittelt.

„Das sind drei Einzelfälle mit unterschiedlichem Hintergrund, die eine Verallgemeinerung nicht zulassen“, sagte Michael Teich, Sprecher im Schweriner Innenministerium. Auch Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) stellte dazu fest: „Wir haben kein strukturelles Problem bei der Polizei.“ Die Belastungen im Dienst seien hoch, aber es gebe bei Problemen Psychologen, Seelsorger und andere soziale Ansprechpartner. „Doch die betroffenen Kollegen müssen sich zu ihren Problemen bekennen“, so der GdP-Landeschef.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mahnt die Vorbildfunktion der Polizisten an. „Wir können von den Menschen nichts verlangen, woran wir uns nicht selbst halten“, sagte er gegenüber unserer Redaktion.

Wie das Innenministerium mitteilte, wurden in diesem Jahr landesweit 14 Disziplinarverfahren gegen Polizisten wegen des Verdachts auf Straftaten eingeleitet. Im vergangenen Jahr waren es 28 Verfahren. In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit etwa 5800 Polizisten im Dienst.

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