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Ermittlungen auch gegen Fahrer : Polizeischüsse von Lutheran doch legitim?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Der Polizeieinsatz von Lutheran ist womöglich doch nicht ganz so schief gegangen, wie es bisher schien. Die Schweriner Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen den angeschossenen Fahrer des in Lutheran gestoppten Pickups. Die Schäden an den Fahrzeugen deuteten darauf hin, dass der Fahrer des bereits stehenden Pickups versucht habe, die Sperre aus zivilen Polizeifahrzeugen zu durchbrechen, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde gestern. „Die Ermittlungen werden auch zu der Frage geführt, ob der Beschuldigte dabei Polizeibeamte verletzen wollte“, sagte der Sprecher. Das wäre Vorsatz.

Unbestritten bleibt, dass die Spezialkräfte der Hamburger Polizei die falschen Männer „erwischten“, wenn auch im Fahrzeug des mit Haftbefehl Gesuchten. Während Nico S. weiterhin abgetaucht bleibt, hatte sein Anwalt, der nahe Plau residierende Benjamin Richert, den Hamburger Polizisten unterstellt, sie wären so brachial vorgegangen, weil sie noch „eine Rechnung offen gehabt“ hätten. Die Beschreibungen dessen, womit der aus Plau (Landkreis Ludwigslust-Parchim) stammende 37-Jährige seinen Lebensunterhalt in Hamburg verdient, reicht vom harmlosen Bordell-„Hauswirtschafter“ bis zur „Kietz-Größe“. Laut „Spiegel Online“ soll Nico S. vor allem „mit der Konkurrenz aus Rumänien nicht gerade sanft umgesprungen sein“. Verurteilt worden sei er zu zweieinhalb Jahren Haft, weil er jemanden beinahe totgeschlagen habe, hieß es. Statt seinen Hafttermin anzutreten, war er abgetaucht. „Nur weil jemand seinen Haftantritt verstreichen lassen hat, wird normalerweise nicht so großes Besteck aufgefahren“, wundert sich ein szenekundiger Beamter. Nico S. ließ Anwalt Richert verlautbaren, er wolle „einige private und geschäftliche Dinge klären“, bevor er in 10 bis 14 Tagen die Haft antrete. So als ob ihm dieses Ermessen zustünde.

In Polizeikreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass der Hamburger Polizist grundlos geschossen habe. „Gerade Beamte der Spezialeinheiten durchlaufen ein ausgeprägtes Nicht-Schieß-Training, um für Stresssituationen gewappnet zu sein“, sagte uns ein Sachkundiger, der angesichts der juristischen Sensibilität anonym bleiben wollte. Selbst Anwalt Richert, der auch das Schussopfer vertritt, hatte aber unmittelbar nach dem Einsatz, bei dem er „rein zufällig“ in der Nähe war, eingeräumt, dass ein versehentliches Anrucken des Pickups als Durchbruchsversuch interpretiert worden sein könnte.

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