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Reißleine gezogen : Polizei zieht Ermittler im Fall Lohmeyer ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Brandanschlag Bekannte befragt. Ehepaar mit übler Nachrede konfrontiert

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Die Polizei zieht die Reißleine im Fall Lohmeyer: Der Kripobeamte, der mit den Ermittlungen wegen einer Brandstiftung in Jamel betraut war, ist von dem Fall abgezogen worden. Das bestätigte das Polizeipräsidium Rostock gestern unserer Redaktion.

Der Ermittler hatte in den vergangenen Tagen Bekannte und Freunde des Ehepaars Lohmeyer nach einem Alibi für die Tatnacht befragt und war dabei offenbar übers Ziel hinausgeschossen. Den Lohmeyers drohen wegen des Vorgehens der Polizei nun rechtliche Konsequenzen wegen übler Nachrede.

In der Nacht des 13. August war die Scheune von Birgit und Horst Lohmeyer in Brand gesteckt worden – kurz vor deren jährlichem Forstrock-Festival gegen Rechtsextremismus. Daraufhin setzte eine Welle der Solidarität mit dem Künstler-Paar ein, das seit Jahren in Jamel in einem rechtsextremen Umfeld der Gemeinde Haltung zeigt.

Auf der Suche nach einem Täter bat die Polizei die Lohmeyers um eine Liste mit Namen von Bekannten und Freunden. „Im zweiten Gang wurden wir gefragt, mit wem wir Meinungsverschiedenheiten hatten oder haben“, sagt Birgit Lohmeyer. „Wir bezichtigen aber niemanden davon der Brandstiftung.“ 13 Namen landeten trotzdem auf der Verdächtigenliste der Polizei. Der Kripobeamte griff zum Hörer und rief unter anderem die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg (Linke) an. Sie hat nun einen Anwalt eingeschaltet, denn ihr Name sei im Zusammenhang mit der Brandstiftung auf dieser Liste gelandet. „Das ist jetzt in der Welt“, sagt die Politikerin.

Die Polizei versucht zu beschwichtigen. „Der Kollege ist übers Ziel hinausgeschossen“, sagt Isabell Wenzel von der Polizeidirektion Rostock. Der Beamte hatte auch einen aktiven und einen pensionierten Polizisten sowie den Fahrer von Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider befragt. Pikant: Sie ist die Schirmherrin des Forstrock-Festivals.

Für den Beamten könnte das Vorpreschen noch weitere Konsequenzen haben. Er hatte vergessen, die Angerufenen zu belehren. „Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen“, räumt die Polizeisprecherin ein. Die Lohmeyers werfen der Polizei „unsensibles Verhalten“ vor. „Wir wollten alles dafür tun, dass dieser Fall aufgeklärt wird, aber dieser Vertrauensbruch hat uns geschockt. “
 

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