zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 00:17 Uhr

Polizei: Täter immer öfter betrunken

vom

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2012 | 06:26 Uhr

Rostock | Ob Verkehrsunfall, Überfall oder familiäre Gewalt - immer häufiger bekommen es Rostocks Polizisten mit betrunkenen Tätern zu tun. So standen beispielsweise knapp 38 Prozent der im vergangenen Jahr ermittelten Räuber unter Alkoholeinfluss. Ein Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und die Dunkelziffer dürfte noch weitaus höher liegen, sagt Thomas Laum, Präsident des Polizeipräsidiums Rostock. Denn oftmals vergehe bei den Ermittlungen zu viel Zeit, um den Alkoholpegel der Verdächtigen zur Tatzeit noch feststellen zu können.

Hinzu komme, dass gerade bei Raubüberfällen auch die Zahl der alkoholisierten oder zumindest in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigten Opfer zugenommen habe. Sie würden von den Tätern gezielt ausgesucht, um auf diese Weise der Strafverfolgung leichter entgehen zu können, so Laum. "Die Entwicklung der Folgen des Alkoholmissbrauchs ist mehr als besorgniserregend", sagt der Polizeipräsident. Zwar sinke die Zahl der registrierten Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums jährlich, dafür steige der Anteil alkoholbedingter Täter aber ebenso stetig an.

Das trifft insbesondere für den Straßenverkehr zu. In diesem Bereich stieg die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss allein zwischen 2010 und 2011 von 582 auf 671 an. Das ist ein Plus von mehr als 15 Prozent. "Alkohol ist nach wie vor eine der Hauptunfallursachen", sagt Polizeisprecher Volker Werner. Mehr noch: Alkohol zähle zu den größten gesellschaftlichen Problemen in Deutschland, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern. "Promillewerte von mehr als 2,0 sind keine Seltenheit", sagt Werner.

Das Problem betreffe nicht nur Erwachsene, deren Abhängigkeit sich offensichtlich über Jahre hinweg ausgeprägt habe. Immer wieder stoßen die Polizisten auch auf betrunkene jugendliche Täter. "Da vor allem junge Menschen und Minderjährige missbräuchlich mit Alkohol umgehen, sollte die Ächtung davon unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein", sagt Laum. Die Folgen des Missbrauchs seien auch im Bereich der häuslichen Gewalt abzulesen. Knapp 42 Prozent der rund 650 Fälle im vergangenen Jahr lassen sich auf Alkohol zurückführen. "Sehr oft wird die Wirkung, und insbesondere die mit dem Verlust der Selbstkontrolle einhergehende Aggressionsneigung, unterschätzt", sagt Werner. Die vorhandene Rücksichtslosigkeit schlage dann schnell in Brutalität um, die sich vor allem gegen Schwächere richte. Dabei sei es den Tätern auch egal, wo sie sich gerade befinden - ob in der Gaststätte, in Bus und Bahn, auf der Straße oder eben in der Familie. "Jede dritte Körperverletzung wird unter Alkoholeinfluss begangen", sagt Werner.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, engagiere sich die Polizei seit Jahren in den verschiedensten Präventionsprojekten und bei diversen Aktionstagen. Dabei arbeite sie häufig mit zivilgesellschaftlichen Einrichtungen zusammen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen