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Stellenabbau: Weniger Zeit für Verkehrskontrollen : Polizei stoppt immer weniger Raser

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Die Polizei in MV fischt immer weniger Alkoholsünder und Raser aus dem Straßenverkehr. Sie stellte im vergangenen Jahr bei Verkehrskontrollen ein Drittel weniger Geschwindigkeitverstöße fest als noch drei Jahre zuvor.

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erstellt am 11.Apr.2012 | 09:41 Uhr

Schwerin | Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern fischt immer weniger Alkoholsünder und Raser aus dem Straßenverkehr. Nach der Verkehrsunfallstatistik 2011, die Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gestern vorlegte, stellte die Polizei im vergangenen Jahr bei Verkehrskontrollen etwa ein Drittel weniger Geschwindigkeitverstöße fest als noch drei Jahre zuvor. 2008 wurden 376 846 Tempo-Überschreitungen gemessen - 2011 waren es nur noch 273 263.

Ähnlich sieht die Situation bei Alkoholkontrollen aus: 2008 erwischte die Polizei 4288 Alkoholsünder - 2011 nur noch 3366. Grund: Es werden immer weniger Kontrollen durchgeführt. Beispielsweise wurden laut Verkehrsunfallstatistik im Jahre 2004 noch 93 500 Autofahrer zur Atemalkoholkontrolle gebeten, 2011 waren es nur noch 52 230, die ins Röhrchen pusten mussten.

Der Inspekteur der Landespolizei, Rudolf Springstein, spricht in diesem Zusammenhang von "polizeilichen Aktivitäten, die abgeflaut sind, weil andere Aufgaben viel Kraft gekostet haben". Caffier nannte als Beispiele dafür die Einführung der neuen Polizeistruktur und des Digitalfunks sowie die Bekämpfung der zunehmenden Internetkriminalität, die viel Personal gebunden haben. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verwies darauf, dass in den letzten zehn Jahren 1000 von 6000 Polizeistellen gestrichen wurden. Ob weitere 250 Stellen bis 2015 wegfallen, soll laut Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und CDU über eine Aufgabenanalyse geprüft werden. "Verkehrskontrollen haben eine hohe präventive Wirkung für die Verkehrssicherheit, doch uns fehlen Polizeibeamte", sagte Michael Silkeit, GdP-Landesvorsitzender.

Die Verkehrsunfallbilanz scheint ihm Recht zu geben. 2011 sind mit 143 Getöteten 32,4 Prozent mehr Menschen im Straßenverkehr gestorben als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Schwerverletzten stieg im selben Zeitraum von 1167 auf 1368. Auf die Bevölkerungszahl gerechnet ist Mecklenburg-Vorpommern damit wieder das Bundesland mit dem höchsten Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden. Mit 87 Unfalltoten auf eine Million Einwohner liegt der Nordosten deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 49. "Mit dieser Bilanz kann niemand zufrieden sein", kommentierte Caffier die Statistik. 57 Prozent der Verunglückten fuhren in einem Auto, 21,91 Prozent mit einem Rad, 7,99 Prozent saßen auf einem Motorrad und 7,55 Prozent waren als Fußgänger unterwegs. Auffällig sei der steigende Anteil von Radfahrern bei den Toten, so der Innenminister. Caffier fordert deshalb Helmpflicht auf dem Fahrrad. Eine Bundesratsinitiative sei allerdings nicht geplant. "Aber es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird die Helmpflicht kommen", sagte Caffier.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 55 770 Verkehrsunfälle von der Polizei registriert. Nichtbeachten der Vorfahrt war Unfallursache Nummer eins, gefolgt von Alkohol am Steuer und unangepasster Geschwindigkeit.

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