Kontrollen bei Rockerclub : Polizei nimmt Schwarze Schar ins Visier

Vereinsgelände abgeriegelt:  80 Polizeibeamte waren im Einsatz. Sie kontrollieren 94 Fahrzeuge und 138 Personen. Foto: red
Vereinsgelände abgeriegelt: 80 Polizeibeamte waren im Einsatz. Sie kontrollieren 94 Fahrzeuge und 138 Personen. Foto: red

Die Schwarze Schar hatte eigentlich einen "Husarenritt" geplant, dann aber abgesagt. Grund: Die geplante Polizeikontrolle. Mehr als 200 Mitfahrer hatten sich wohl zur Ausfahrt angemeldet, darunter auch Hells Angels.

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01. Mai 2013, 06:58 Uhr

Wismar | Ein Polizei-Hubschrauber kreist über Gägelow, dutzende Einsatzwagen der Polizei stehen an den Einfahrtsstraßen in das kleine Dorf vor den Toren von Wismar. Die Einfahrt zum Gewerbering ist abgesperrt, wer hier durch will, wird kontrolliert.

Die Schwarze Schar hatte für den gestrigen Feiertag eigentlich einen "Husarenritt" geplant, dann aber kurzfristig abgesagt. Grund: Die geplante Polizeikontrolle. Die Ausfahrt sollte mehr als 100 Kilometer quer durch Mecklenburg führen. Mehr als 200 Mitfahrer hatten sich wohl dazu angemeldet, darunter auch Hells Angels.

Der Motorradclub Schwarze Schar MC Wismar ist nach Einschätzung des Landeskriminalamtes (LKA) eine gewaltbereite Motorradgang. Mit der Verkehrs- und Sichtkontrolle wollten die Beamten wissen, welche Motorradclubs mit den Wismarer Kontakt haben und zugleich die Motorräder überprüfen, ob sie der Betriebserlaubnis entsprechen oder an ihnen herumgeschraubt wurde. Bei einer Maschine wurde beispielsweise moniert, dass die Kennzeichen nicht richtig angebracht seien. Sie wurden nach mehreren Verstößen schließlich stillgelegt. Dieses Schicksal traf auch andere Biker. Mitglieder der Schar hatten davon vorher Wind bekommen und waren wohl deshalb mit dem Auto nach Gägelow gefahren.

Mit dem Erfassen aller Gäste, die zum Vereinsgelände wollten, ließen sich Rückschlüsse über Verbindungen zu anderen Clubs ziehen, hieß es von der Polizeiinspektion. Solche Treffen würden auch genutzt, um Straftaten abzusprechen.

Die Schwarze Schar zählt elf Mitglieder und wurde 2008 in Wismar gegründet. Der MC verweist darauf, politisch nicht aktiv zu sein und auch keine anderen Clubs zu unterstützen. Mit dem "1% Zeichen" auf ihren Kutten zeigen sie, dass sie die Regeln der Gesellschaft nicht anerkennen.

Die Schwarze Schar galt anfänglich als rechtsextremer Rockerclub. Die Gründungsmitglieder gehörten den "Werwölfen" an. Mittlerweile hätten kommerzielle Interessen die politischen Aktivitäten jedoch abgelöst, erklärt das LKA. Gemeinsame Aktivitäten zwischen der Schar und der rechten Szene seien nicht bekannt. Auch wenn keine direkten Verbindungen zwischen Rockern und Rechten zu finden sind, legt der MC großen Wert auf seine deutsche Herkunft. Der Name Schwarze Schar solle an ein Freikorps aus der Zeit der Napoleonischen Kriege erinnern, das gegen die französische Besatzung kämpfte. Zudem seien die Bezeichnungen von Ämtern, wie Präsident und Schatzmeister, innerhalb des Clubs auf Deutsch, heißt es auf der Homepage des Clubs.

Gleichwohl wird ihr Treiben der Organisierten Kriminalität zugerechnet. Aktuell zähle die Rockerszene laut LKA im Land etwa 22 Gruppierungen und über 230 Mitglieder und Unterstützer, Supporter genannt. Als supporter der Schar sind die Schwarzen Jäger unterwegs, vor allem in Nordwestmecklenburg.

Die Clubs in Mecklenburg-Vorpommern versuchten, durch Neugründungen und Fusion ihre Macht auszubauen. Damit wollen sie ihre Macht und damit ihren Einflussbereich ausbauen, um in einer Region oder einer Stadt eine Monopolstellung zu errichten, erklärt das Landeskriminalamt. In Wismar soll es deswegen zwischen der Schwarzen Schar und den Eastcoast Brotherhood aus Rostock zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Die Polizei erklärt, Rockerkriminalität mit der Null-Toleranz-Strategie zu verfolgen.

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