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Kriminalität : Polizei in MV hört weniger Telefone ab

vom
Aus der Onlineredaktion

Kriminelle nutzen verschlüsselte Dienste wie WhatsApp

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Trotz Terrorgefahr und gestiegener Kriminalität zapfen Fahnder in Mecklenburg-Vorpommern bei Ermittlungen deutlich weniger Mobiltelefone und Festnetzanschlüsse an. 319 Erlaubnisse zum Abhören von Gesprächen erteilten Gerichte im vergangenen Jahr auf Antrag der Staatsanwaltschaft. 2015 waren es noch 535 technische Überwachungen, wie das Justizministerium mitteilte. Eine Erklärung für den deutlichen Rückgang um 40 Prozent habe das Ministerium nicht, sagte ein Sprecher.

Bei der Polizei ist man weiter. „Kriminelle kommunizieren inzwischen weniger über öffentliche Netze und zunehmend verschlüsselt über Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram“, berichtete ein hoher Polizeibeamter. Klassische Abhörmethoden würden deshalb an Bedeutung verlieren. Auch in einer Stellungnahme des Innenministeriums gegenüber unserer Redaktion heißt es dazu: „Messenger haben sich als Kommunikationsmittel fest etabliert. Dies stellt die Strafverfolgungsbehörden vor vollständig neue, gewaltige Herausforderungen.“

Vor vier Monaten hat der alte Bundestag im Eilverfahren ein Gesetz beschlossen, das die Überwachung von Messenger-Diensten wie Whats-App über eingeschleuste Programme – so genannte Trojaner – ermöglicht. Das Schweriner Innenministerium begrüßt die Gesetzesänderung. Diese Trojaner seien „als Ermittlungsinstrument zur Bekämpfung schwerer Kriminalität unverzichtbar“, wie ein Ministeriumssprecher sagte.

Die alte klassische Abhörmethode kam im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern am häufigsten im Bereich der Drogenkriminalität zum Einsatz. Von den insgesamt 319 genehmigten Überwachungen richteten sich 191 gegen mutmaßliche Dealer. In 78 weiteren Fällen wollte die Polizei Straftaten im Bereich des Internetbe-trugs aufklären.

Außerdem holten sich die Ermittler im vergangenen Jahr in 484 Fällen mit richterlicher Erlaubnis Verbindungsdaten von Mobilfunkanbietern. Zum Teil mit großem Ermittlungserfolg: Der Vergewaltiger eines elfjährigen Jungen in Schwerin geriet bei einer Funkzellenabfrage ins Visier der Polizei. Er war während der Tatzeit mit seinem Handy in einer Funkzelle am Tatort eingeloggt. Ein DNA-Test überführte den Mann. Er bekam vier Jahre und zehn Monate Haft.

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