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Druck wird erhöht : Polizei holt künftig Schulschwänzer ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brodkorb: Ab elf unentschuldigten Fehltagen kann die Schule die Beamten rufen

von
erstellt am 19.Jul.2016 | 21:15 Uhr

Bei Schulschwänzen Polizei: Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will im  neuen Schuljahr mit einem 7-Punkte-Programm die Schulen ermächtigen, Intensivschwänzer per Polizei zum Unterricht holen zu lassen. Zwar ist schon jetzt die Schulpflicht im Gesetz geregelt und der Zwang dazu vorgesehen, aber bislang gab es kein geordnetes Verfahren dazu, beklagt der Bildungsminister. Es fehlen Regeln. Also passiert im konkreten Fall wenig.

Das will Brodkorb ändern. „Spätestens ab dem elften unentschuldigten Fehltag bezogen auf das Schuljahr wird von einem beständigen Schwänzen ausgegangen. Die polizeiliche Zuführung... ist durch die Schulbehörde... ebenso vorzusehen wie die Einleitung eines Bußgeldverfahrens“, heißt es in dem noch geheimen Programm, das unserer Redaktion vorliegt. Ab 21. Fehltag werde die Zuführung der Schwänzer ohne „pädagogischen Entscheidungsspielraum“ zwingend. Ab 40. Fehltag könne der Klassenabschluss nicht mehr erreicht werden. Dem voraus gehen eine Reihe von Elterninformationen. Statt Elternentschuldigungen können ärztliche Atteste verlangt werden.

Laut einer Kleinen Anfrage der Linkspartei betrifft der Schulabsentismus – so der Fachbegriff – jedoch nur eine kleine Gruppe. 839 Schüler fehlten im Schuljahr 2014/ 2015 mehr als elf Tage unentschuldigt – nicht einmal ein Prozent aller Schüler an Allgemeinbildenden Schulen. Insgesamt hatten 3566 Schüler unentschuldigte Fehltage – knapp drei Prozent. Mathias Brodkorb: „Es ist eine kleine Anzahl, aber für diese ist es von größter Bedeutung, dass sie regelmäßig zur Schule gehen.“ In dem gemeinsam mit Landeskriminalitätsrat und Schulleitungsvereinigung erarbeiteten Programm wird von einer Abwärtsspirale in die Kriminalität gewarnt, da in diesen Härtefällen das Schulschwänzen oft von den Eltern akzeptiert oder unterstützt wird.

Heftiger Protest kommt von der Opposition im Landtag und vom Landeselternrat. Vorsitzende Claudia Metz empört: „Die Polizei löst nicht die Probleme der Kinder“, sagt sie. Metz sieht die Lehrer in der Pflicht: „Schule muss Spaß machen. Lehrer sollten sich hinterfragen, warum Kinder ihren Unterricht schwänzen.“

Kommentar: Es geht um die Eltern - von Max-Stefan Koslik

Bislang haben  Schulen und Schulämter das Problem Schulschwänzen sehr unterschiedlich behandelt. Praktiker berichten, dass an einzelnen Schulen vom ersten unentschuldigten Fehltag an Schwänzen sehr konsequent geahndet wird. An anderen Schulen werden die Eltern nicht informiert, wird  intensives Schwänzen toleriert und  werden junge kriminelle Karrieren hingenommen. In den vier Schulamtsbezirken das Landes herrscht beim Thema Intensivschwänzen ein geordnetes Chaos. Irgendwie ist es geregelt, aber die wenigsten halten sich daran.

 

Dem setzt Brodkorb  jetzt sein 7-Punkte-Programm entgegen, das vor allem auf Kommunikation mit den Eltern, aber auch auf deutliche Abschreckung setzt. Natürlich löst die Polizei nicht das Problem. Aber der Landesrat zur Kriminalitätsvorbeugung hat vor zwei Jahren den Hilferuf in Richtung Bildungsminister gestartet.

 

Die Ordnungsmaßnahmen sollen die Eltern treffen, nicht die Kinder.

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