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Sicherheit MV : Polizei gibt 1150 Schüsse auf Tiere ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Durchschnitt drei Mal pro Tag mussten Polizisten im Land von ihren Dienstwaffen Gebrauch machen. Ein Aufrüsten mit Maschinenpistolen ist gegenwärtig nicht geplant.

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erstellt am 16.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Drei Schüsse peitschten am Montag bei einer spektakulären Festnahme über eine Tankstelle in Karstädt in der brandenburgischen Prignitz. Abgegeben wurden sie von einem Beamten einer Spezialeinheit Mecklenburg-Vorpommerns, der die Flucht eines gefährlichen Gewalttäters aus Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) verhindern wollte. Mit den Schüssen auf die Reifen konnte der Zivilbeamte das Auto zwar nicht stoppen, aber der Flüchtige kam mit zwei platten Reifen nur noch 1000 Meter weit. Gegen den 36-Jährigen wird wegen versuchten Totschlags ermittelt.

Schusswaffengebrauch ist die Ultima Ratio für die Polizei. Im vergangenen Jahr machten die 5200 Vollzugsbeamten der Landespolizei allerdings in 1152 Fällen von ihrer Dienstwaffe im Einsatz Gebrauch, teilte das Innenministerium gestern auf eine Anfrage unserer Redaktion mit. Im Durchschnitt also drei Mal pro Tag.

„Auf Personen wurde im vergangenen Jahr von der Landespolizei nicht geschossen“, sagte Michael Teich, Sprecher des Schweriner Innenministeriums. In 1150 Fällen schossen die Beamten auf Wildschwein, Hirsch oder Reh. In fast allen Fällen seien die Tiere von ihren Leiden erlöst worden, die sie nach Verletzungen bei Verkehrsunfällen erdulden mussten, so der Ministeriumssprecher. In einigen wenigen Fällen wehrten sich die Beamten mit einem gezielten Schuss gegen gefährliche angreifende Hunde.

In zwei weiteren Fällen wurde im Jahr 2016 mit der Polizeiwaffe auf Sachen wie Reifen geschossen – etwa zur Verhinderung einer Flucht, wie am Montag in Karstädt. Gezielt auf einen Menschen schoss ein Beamter der Landespolizei zuletzt im August 2015. Damals bedrohte ein Mann in Rostock seine Frau und seine Tochter mit einem
Messer und ging anschließend auf die herbeigerufenen Polizisten los, die ihn mit zwei Schüssen verletzten.

Zwar wurde im Februar 2016 in Lutheran (Landkreis Ludwigslust-Parchim) bei einer Festnahmeaktion der Fahrer eines gestoppten Fahrzeugs durch eine Polizeikugel schwer verletzt. Der Beamte gehörte aber nicht zur Landespolizei, sondern zu einem Hamburger Mobilen Einsatzkommando.

Um in Zeiten erhöhter Terrorgefahr besser gerüstet zu sein, wird die Bewaffnung der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern derzeit modernisiert. Die Umrüstung der knapp 5800 Dienstpistolen von der bisherigen Standardwaffe P6 von Sig Sauer auf das neue Modell SFP9 des deutschen Waffenherstellers Heckler und Koch soll bis 2021 abgeschlossen sein. Der Landtag hatte für die Beschaffung eine Summe von 3,2 Millionen Euro genehmigt. Mehr als tausend neue Pistolen sind bereits angeschafft worden.

Dagegen ist ein weiteres Aufrüsten mit Maschinenpistolen gegenwärtig nicht geplant, teilte das Innenministerium mit. Seit 2002 – nach dem Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium – werden Maschinenpistolen während des Einsatzes in Funkstreifenwagen mitgeführt. 1000 dieser Waffen wurden für die Polizei angeschafft.

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