Vermisster Elfjähriger : Polizei findet Jeremie nicht

Die Polizei hat die Fahndung nach dem elfjährigen Jeremie fortgesetzt.dpa
Die Polizei hat die Fahndung nach dem elfjährigen Jeremie fortgesetzt.dpa

Nach seiner Flucht aus einem Zirkusprojekt in Lübtheen sucht die Polizei weiter nach dem Ausreißer. "Es gibt bisher keine Hinweise auf sein Versteck", sagte eine Polizeisprecherin gestern.

svz.de von
23. Januar 2013, 07:59 Uhr

Lübtheen | Noch keine Spur von Jeremie: Nach seiner Flucht aus einem Zirkusprojekt in Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg sucht die Polizei weiter nach dem elfjährigen Ausreißer. "Es gibt bisher keine Hinweise auf sein Versteck", sagte eine Polizeisprecherin gestern in der Hansestadt. Der Junge soll gut 100 Kilometer mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern von Lübtheen in Westmecklenburg nach Hamburg gefahren sein. Er wird seit Dienstagabend vermisst. Die Polizei hofft auf Zeugen, die das etwa 1,50 Meter große, kräftige Kind gesehen haben.

Jeremie ist nach Polizeiangaben in Hamburg aufgewachsen und lebte seit knapp zwei Jahren in dem Zirkusprojekt in Mecklenburg. "Er kennt sich in Hamburg gut aus und verfügt deshalb über eine Vielzahl von Kontakten", erklärte die Sprecherin. Der Elfjährige soll bereits am Mittwoch seine Großeltern angerufen haben - und gesagt haben, es gehe ihm gut. "Seinen Aufenthaltsort wollte er nicht preisgeben." Der Transporter war am Mittwochmorgen in einer Friedhofseinfahrt in Hamburg-Billstedt gefunden worden.

Ein Träger mit Sitz in Nordrhein-Westfalen habe den Jungen betreut, hieß es beim zuständigen Bezirksamt Hamburg-Mitte. Jeremies Eltern seien drogenabhängig. Auch bei seinen Großeltern habe der Junge nicht bleiben dürfen. Wann das Jugendamt zuletzt Kontakt mit dem Jungen hatte, konnte die Bezirksamts-Sprecherin gestern nicht sagen. "Die Kollegen im Jugendamt stellen gerade alle relevanten Daten zusammen." Auch wie lange Jeremie noch in dem Zirkusprojekt bleiben sollte, war unklar: "Aber solche Maßnahmen werden immer befristet festgelegt."

Jeremie ist nach Angaben der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern schon mehrfach ausgerissen. Dass der Elfjährige in einem Zirkusprojekt untergebracht war, nannte die Sprecherin "ungewöhnlich". Der Träger des Projekts in Nordrhein-Westfalen erklärte dagegen, eine solche Unterbringung sei nicht ungewöhnlich. "Wir haben etwa 100 solcher Projektstellen, überwiegend in Norddeutschland", sagte ein Sprecher. Dabei gehe es vor allem darum, den Kindern wieder Vertrauen zu schenken: "In der Regel kommen sie aus zerrütteten Familienverhältnissen und haben teilweise Heimaufenthalte hinter sich."

Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen in Hamburg sieht nach Jeremies Flucht einen "neuen Problemfall" für das zuständige Jugendamt Hamburg-Mitte, das bereits wegen des Todes von Chantal unter Druck geraten war. Die Elfjährige war Mitte Januar in der Obhut ihrer drogensüchtigen Pflegeeltern an einer Überdosis des Heroin-Ersatzstoffs Methadon gestorben. Das Mädchen stand unter der Aufsicht des Jugendamts Hamburg-Mitte.

Noch am Dienstagabend hatte die Polizei eine Sofortfahndung nach dem Kind eingeleitet. Die Fahndung wurde auf die Hansestadt eingegrenzt. Die Polizei versucht, den Elfjährigen über seine in der Stadt lebenden Verwandten und Bekannten aufzuspüren.

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