Schwerin : Polizei findet illegale Waffen bei Tauchern

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Kriegsmunition in den Seen Westmecklenburgs sorgt für Verstimmung zwischen Land und Bund

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14. Juli 2014, 20:49 Uhr

Da staunte die Besatzung eines Streifenbootes der Wasserschutzpolizei nicht schlecht, als sie am Sonntag auf dem Schweriner Außensee ein Sportboot kontrollierte. Aus blauen Plastiktüten kamen zwei Karabiner, ein Sturmgewehr, vier Rohre für Panzerfäuste, Gewehrmunition sowie zwei Magazine mit jeweils 20 Schuss Flakgranaten zum Vorschein. Ein Teil dieser Waffen aus Wehrmachtsbeständen ist in einem guten Zustand.

„Mitarbeiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Bad Kleinen hatten uns informiert“, sagte Hartmut Richter vom Landeswasserschutzpolizeiamt. Die DLRG-Mitarbeiter hätten vom Ufer aus beobachtet, wie vor der Marina zwei Männer in einem Sportboot immer wieder in den See tauchten und Gegenstände in das Boot hoben. Der Verdacht, dass die Männer illegal Waffen und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg aus dem See holten, sollte sich bei der Durchsuchung des Bootes durch die Wasserschutzpolizei bestätigen. „Die beiden Personen aus dem Landkreis Vechta in Niedersachsen erwartet ein Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz“, kündigte Polizeisprecher Richter an.

Die Motive für das illegale Waffentauchen sind Gegenstand der Ermittlungen. Mit Militaria aus dem Zweiten Weltkrieg lassen sich gute Geschäfte machen. Auch ist der Sprengstoff in der Munition für Kriminelle interessant. Das sichergestellte Kriegsgerät wurde vom Munitionsbergungsdienst in Sandkisten verpackt und abtransportiert. „Bei unsachgemäßem Umgang ist diese Munition lebensgefährlich“, sagte Sprengmeister Burkhard Pohl vom Bergungsdienst gestern gegenüber unserer Redaktion. Nicht nur die 40 Granaten, sondern auch die vier Rohre für Panzerfäuste enthalten Sprengstoff, der auch nach 69 Jahren explodieren kann.

Beim Munitionsbergungsdienst werden die beschlagnahmten Kriegswaffen als Beweismittel aufbewahrt, bis das Verfahren gegen die Taucher abgeschlossen ist. Danach sollen die Funde vernichtet werden.

Die Seen um und in Schwerin sind immer wieder Ziele waffeninteressierter Taucher, berichtete Robert Molitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes. Denn die Gewässer sind voll mit Kriegsgerät. In Westmecklenburg erlebten Ende April und Anfang Mai 1945 mehr als hunderttausend Wehrmachtssoldaten das Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie flohen vor der anstürmenden Roten Armee und wollten sich in die Obhut der von Westen nahenden Amerikaner und Briten retten. Dabei entledigten sie sich aller Waffen. „Die gängigste Methode war, das Kriegsgerät in Seen zu versenken“, erklärte Molitor. Nach dem Krieg verfuhren die Sieger nicht anders. Die von den Alliierten beschlagnahmte Wehrmachtsmunition wurde auf Lastkähne verfrachtet und beispielsweise mitten auf dem Schweriner Ziegelsee abgeladen. Dort ist das Tauchen und Ankern wegen dieser gefährlichen Hinterlassenschaften bis heute streng verboten.

Auf dem Grund des Schweriner Sees soll neben Teilen von Panzern am Paulsdamm sogar ein Kampfflugzeug vor der Insel Lieps liegen.

Die Säuberung der Seen von gefährlichen Altlasten erweist sich allerding auch 69 Jahre nach Ende des Krieges als kompliziert. „Wasserberäumung ist um ein Vielfaches teurer als Landberäumung“, sagte der Munitionsexperte Molitor. Hinzu kommen Eigentumsfragen. Die meisten Gewässer gehören dem Bund.

Die Aktivitäten von illegalen Waffentauchern haben deshalb auch zu Verstimmungen zwischen dem Schweriner Innenministerium und dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geführt. Innenstaatssekretär Thomas Lenz hatte Berlin im vergangenen Jahr in einem Brief aufgefordert, endlich die Kosten für eine Munitionsräumung im Ziegelsee zu übernehmen, weil „unbekannte Personen sich aus diesem Areal wiederholt Gegenstände militärischer Herkunft aneigneten“. Es liege die Vermutung nahe, dass hiermit kriminelle Zwecke verfolgt werden. Doch die Bundesregierung lehnte ab. Eine unmittelbare Gefahr bestehe nicht, so die Antwort.

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