Länder streiten um Bewerber : Polizei droht Personalnot

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In den Landespolizeien zeichnen sich gravierende Nachwuchsprobleme ab. Zwar beginnt heute für die letzten Polizeianwärtern in diesem Jahr in MV die Ausbildung. Doch im Ministerium macht man sich Sorgen um die Zukunft.

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30. September 2012, 07:40 Uhr

Schwerin | In den Landespolizeien der Bundesländer zeichnen sich gravierende Nachwuchsprobleme ab. Zwar beginnt heute für die letzten von 152 Polizeianwärtern, die in diesem Jahr in MV eingestellt wurden, die Ausbildung. Doch im Innenministerium macht man sich Sorgen um die Zukunft. "Das Problem, trotz schwächerer Geburtenjahrgänge künftig geeigneten Nachwuchs für die Polizei zu gewinnen, ist zwar noch nicht akut, es wird uns aber in drei bis vier Jahren erreichen", sagte Ministeriumssprecherin Marion Schlender. Die Bewerberzahlen sinken in Mecklenburg-Vorpommern bereits jetzt - in diesem Jahr sogar um ein Viertel. Hatten sich 2011 noch 2005 junge Frauen und Männer um einen Job bei der Landespolizei beworben, waren es in diesem Jahre nur noch 1568 Bewerber. Neben der demografischen Entwicklung macht der Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP) den Wettbewerb mit der freien Wirtschaft, die mit besseren Gehältern lockt, für die Defizite verantwortlich.

Doch die größten Konkurrenten sind die Landespolizeien der anderen Länder. Immer aggresiver wirbt Hamburg um Polizeinachwuchs. Innensenator Michael Neumann (SPD) denkt über Gratis-Krankenversicherungen, kostenlosen Führerschein und billigere Wohnungen nach, um Bewerber zu locken. An der Hamburger Hochschule der Polizei bekommen Studenten in ihrem Grundstudium wieder einen Anwärtergrundbetrag von 950 Euro. Der war 2007 gestrichen worden.

Auch Schleswig-Holstein kämpft um jeden Bewerber. In etwa zwei Jahren steht im nordwestlichen Nachbarland eine große Pensionierungswelle bei der Polizei an. Nach Schätzungen müssen dann pro Jahr deutlich mehr als 200 Anwärter eingestellt werden, um den Stand von derzeit 5500 Schutzpolizisten und 1200 Kripobeamten zu halten. Im Kieler Landtag wurde im Zusammenhang mit der Nachwuchsgewinnung sogar diskutiert, ob das Tattoo-Verbot für Uniformträger aufgehoben werden sollte. Bislang dürfen sich Polizisten nur an nicht sichtbaren Körperstellen tätowieren lassen. MV will trotz drohender Personalnöte an den hohen Anforderungen an Bewerber festhalten. "Klar ist, dass wir keine Abstriche bei den Einstellungstests in die Landespolizei machen werden, denn der Polizeiberuf ist ein sowohl körperlich als auch fachlich sehr anspruchsvoller Beruf", sagte Ministeriumssprecherin Schlender. Das Innenministerium will "zusätzliche Anreize für Bewerber prüfen" und künftig offensiver für den Beruf werben. Eine Gratis-Krankenversicherungen für Polizisten und ein Stipendium für das Grundstudium gibt es in MV bereits.

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