Prognosesoftware : Polizei-App sagt Einbrüche voraus

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Mecklenburg-Vorpommern zögert mit der Einführung. Testphasen in anderen Bundesländern.

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10. Januar 2018, 05:00 Uhr

Klingt nach Science-Fiction, ist aber bereits Realität: Ein intelligentes Computerprogramm sagt der Polizei, wo Kriminelle als nächstes zuschlagen. In Bayern wurde so ein Programm unter der Bezeichnung „Precobs“ drei Jahre im Kampf gegen Wohnungseinbrüche getestet. Mit Erfolg. Der Freistaat verzeichnet nach Angaben des dortigen Innenministeriums in den Testgebieten in München und Nürnberg weniger Einbrüche und mehr Festnahmen. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen werden ähnliche Programme erprobt.

In Mecklenburg-Vorpommern ist man dagegen zurückhaltend. „Es ist bislang nicht geplant, eine Prognosesoftware einzuführen“, sagte Michael Teich, Sprecher im Innenministerium. Tests und die Erfahrungen in anderen Bundesländern würde man allerdings aufmerksam beobachten.

In Niedersachsen wird gerade ein Pilotprojekt auf die Städte Osnabrück und Hannover ausgeweitet. In Salzgitter, Peine, Wolfenbüttel und Wolfsburg läuft die Testphase bereits seit 2016. Das Prinzip: Das digitale Programm „PreMap“ gibt den Polizisten in Niedersachsen mobil und zeitnah Informationen über Ort, Zeitpunkt und Begehungsweise von Wohnungseinbrüchen, die bis zu vier Wochen zurückliegen. Das Programm berechnet damit, wo in der Stadt die Gefahr von Wiederholungstaten am größten ist. Die Beamten planen danach ihre Streifenfahrten.

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Grundlage ist die Erfahrung, dass Einbrecher bei erfolgreicher Tat häufig die Nähe des Tatorts für weitere Delikte aufsuchen. Kriminologen gehen sogar davon aus, dass Einbrecher innerhalb der nächsten 72 Stunden im Umkreis von 500 Metern oft erneut zuschlagen.

Um exakte Prognosen abgeben zu können, muss das Programm allerdings mit vielen Informationen gefüttert werden. „Diese Projekte sind deshalb insbesondere für Großstädte und Ballungsräume mit vielen Straftaten und hoher Bevölkerungsdichte geeignet“, so Ministeriumssprecher Teich. Der Nutzen für Mecklenburg-Vorpommern mit seiner geringen Bevölkerungsdichte lasse sich deshalb noch nicht abschätzen.

Der Bund der Kriminalisten (BdK) im Nordosten sieht das Projekt durchaus positiv. „Eine interessante Sache, die man überdenken muss“, sagte BdK-Landesvorsitzender Ronald Buck. 1477 Wohnungseinbrüche registrierte die Polizei 2016 landesweit. Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor, das Innenministerium rechnet mit einem leichten Rückgang.

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