Politischer Sprengstoff

svz.de von
20. März 2013, 07:34 Uhr

Im Wahljahr 2013 ist die Rentenanpassung für die schwarz-gelbe Koalition nur bedingt erfreulich: Ein deutliches Plus im Osten eignet sich zwar zur Werbung für die Regierung bei den Senioren in den neuen Bundesländern. Die Zahl der Westrentner ist jedoch vier Mal so hoch - und diese Gruppe erhält gerade mal ein Dreizehntel der Ost-Erhöhung.

Geht es nach der Kaufkraft, werden die Westrentner in diesem Jahr erneut ein Minus hinnehmen müssen, die Ostrentner ein leichtes Plus. Ein so krasser Unterschied birgt politischen Sprengstoff - auch wenn hier keinerlei Willkür am Werk war, sondern die Auswirkungen einer hoch komplexen Rentenformel. Die Politiker selbst haben das Prinzip, dass die Rente den Löhnen folgt, in den vergangenen Jahren immer mehr durchbrochen. Und die Senioren bekommen zu spüren, dass die Rentengarantie, die mehrfach Kürzungen der Altersbezüge verhinderte, durch niedrigere Erhöhungen von ihnen selbst bezahlt werden muss. Kommen dann noch deutlich abweichende Lohnentwicklungen in Ost und West hinzu, ergibt sich das Bild einer tiefen Spaltung.

Diese Differenz mahnt noch einmal daran, dass das Rentensystem in Ost und West 22 Jahre nach der deutschen Einheit endlich vereinheitlicht werden sollte - und drastisch vereinfacht. Wenn die gesamtdeutsche Lohnentwicklung als Basis für einheitliche Rentenanpassungen herangezogen würde, wäre das ein Beitrag, die noch bestehenden Mauern zwischen Ost und West ein Stück einzureißen. Auch wenn diese Umstellung nicht von heute auf morgen umsetzbar ist - sie muss angepackt werden.

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