Politiker lächeln um die Wette

„Die FDP wendet sich im aktuellen Wahlkampf  an Bildungsbürger, die Mitte sowie immer mehr an Erstwähler“, sagt Julia Külß. „In der Wahrnehmung richtet sich das Plakat aber an Menschen von 40 aufwärts und keinesfalls an Bildungsbürger.“ Für eine klare Botschaft wirke die Gestaltung viel zu überladen: „Mit den Texten haben es die Liberalen ein bisschen zu gut gemeint. Der Textanteil ist zu hoch und wirkt wie willkürlich draufgeworfen. Dabei geht das starr angesetzte Parteilogo unter.“ Quasi alle Elemente auf dem Plakat machten sich gegenseitig Konkurrenz. Die eigentliche Aussage komme so zu kurz. Christian  Ahrendts Lächeln wirke zwanghaft, unsicher und unentschieden. „Allerdings stehen die fehlende Krawatte und das offene Hemd für einen liberalen Charakter.“ Für die Wirksamkeit des FDP-Plakats gibt es von den Designschülern keine allzu guten Noten: „Es ist  zu kompliziert und bleibt nicht in positiver Erinnerung.“
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„Die FDP wendet sich im aktuellen Wahlkampf an Bildungsbürger, die Mitte sowie immer mehr an Erstwähler“, sagt Julia Külß. „In der Wahrnehmung richtet sich das Plakat aber an Menschen von 40 aufwärts und keinesfalls an Bildungsbürger.“ Für eine klare Botschaft wirke die Gestaltung viel zu überladen: „Mit den Texten haben es die Liberalen ein bisschen zu gut gemeint. Der Textanteil ist zu hoch und wirkt wie willkürlich draufgeworfen. Dabei geht das starr angesetzte Parteilogo unter.“ Quasi alle Elemente auf dem Plakat machten sich gegenseitig Konkurrenz. Die eigentliche Aussage komme so zu kurz. Christian Ahrendts Lächeln wirke zwanghaft, unsicher und unentschieden. „Allerdings stehen die fehlende Krawatte und das offene Hemd für einen liberalen Charakter.“ Für die Wirksamkeit des FDP-Plakats gibt es von den Designschülern keine allzu guten Noten: „Es ist zu kompliziert und bleibt nicht in positiver Erinnerung.“

„Wo bleiben die Inhalte?“ - Von ihren Plakaten lächeln sie um die Wette und um die Gunst der Wähler: Die Bundestagskandidaten der fünf großen Parteien sind auf den Schweriner Straßen derzeit überaus präsent. Was die meisten beim Vorbeifahren nur aus den Augenwinkeln wahrnehmen, soll Tiefenwirkung entfalten und die Wahlentscheidung für den 27. September maßgeblich beeinflussen. Hoffen jedenfalls die Kandidaten und ließen sich professionell ins Bild setzen. Professionell genug? Die SVZ enthält sich der Stimme und gab Grafikdesign-Studenten das Wort: Sie nahmen Plakate von CDU, SPD, FDP, Linke und Grünen unter die Lupe.

svz.de von
15. September 2009, 09:01 Uhr

Schwerin - Julia Külß, Maria Vollmann, Colette Hempel, Christina Krießmann, Jacob Bunte, Toni Röse und Kevin Platz studieren im 5. Semester an der Design Schule Schwerin in der Bergstraße. In Geschichte und Gestaltung von politischen Plakaten kennen sie sich mittlerweile gut aus und machten sich deshalb sehr professionell an die Analyse der aktuellen Kandidaten-Wahlplakte. So gingen sie bei ihrer Begutachtung vor: Erreichen die Parteien mit ihren Plakaten tatsächlich ihre Zielgruppe, war die erste zentrale Frage. Die Studenten schauten auf Form und Gestaltung des Plakats ebenso wie auf seinen emotionalen Effekt und bewerteten abschließend die Wirksamkeit.

Die angehenden Grafikdesigner, die zum großen Teil selbst Bundestags-Erstwähler sind, halten die Entwicklung der Parteienwerbung hin zum Porträt-Plakat insgesamt für wenig ansprechend. Früher sei es darum gegangen, Farbe zu bekennen und sich voneinander abzuheben, heute näherten sich die Parteien immer stärker aneinander an. Warum sie lieber mit Gesichtern werben statt mit ihren Programmen, ist für die Jugendlichen schwer nachvollziehbar. „Man liest dieselben Phrasen immer wieder“, sagen die Studenten. „Das wirkt wie ein unehrlicher Lockruf.“ Die Designschule hat ihre Studenten in einem internen Wettbewerb aufgerufen, selbst eine politische Plakat-Kampagne zu entwerfen, durch die Erstwähler animiert werden sollen, am 27. September zur Wahl zu gehen. Das Gewinnerteam stellt sein Konzept am Donnerstag vor.

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