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Skandal um Volkssolidaritätsfonds : Zusatzgebühren für geprellte Anleger

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Purer Wahnsinn: Erst brachten Fondsgesellschaften der Volkssolidarität Anleger um millionenschwere Einlagen, jetzt kassiert der eigene Verein der Geschädigten ab.

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erstellt am 07.Jun.2011 | 12:36 Uhr

Güstrow/Rostock | Der Wahnsinn geht weiter: Erst brachten Fondsgesellschaften der Volkssolidarität 1600 vornehmlich ältere Anleger vor allem in MV um millionenschwere Einlagen, jetzt kassiert der eigene Verein der Geschädigten von Volkssolidarität Geldanlagen (IVG) ab, kritisiert eine Betroffene (Name liegt der Redaktion vor). So sei ihr sowohl von der Verbraucherzentrale als auch vom Verein suggeriert worden, dass mit den Beratungsgebühren als auch mit den Mitgliedsbeiträgen alle anfallenden Kosten in möglichen Prozessen gegen die Volkssolidaritätsfonds beglichen seien. Von wegen: Jetzt sei sie aufgefordert, mit einer Umlage von 0,8 Prozent der Einlagensumme an den Verein zusätzliche Gebühren zu zahlen, bemängelt sie.

Das summiert sich: Bei durchschnittlichen Fondseinlagen der Anleger von 3500 bis 5000 Euro werden zwischen 28 und 40 Euro fällig, in einigen Fällen könnten es aber auch einige tausend Euro werden. Inzwischen ist den Angaben zufolge "ein guter fünfstelliger Betrag" auf das Umlagekonto des Vereins gezahlt worden, teilte Jürgen Fischer, Vorstand der Verbraucherzentrale, gestern in Rostock mit. Die Gebührenkritik lässt Fischer nicht gelten: Die Umlage sei in der Satzung des Vereins, der inzwischen 400 Mitglieder zählt, vorgesehen und sei eine "solide Lösung", um die anfallenden Prozesskosten begleichen zu können. Ein Beitrag von 0,8 Prozent der Einlagenhöhe sei "erschwinglich". Man können nicht "annehmen, dass mit einem Beitrag von 20 Euro die Sache finanziert werden kann", wies Fischer die Vorwürfe zurück. Die Umlage sei für die Prozesskostenfinanzierung gedacht, sagte IVG-Vorsitzender Gottfried Hörnig und räumte ein, dass einige Mitglieder die Umlagepläne falsch verstanden haben könnten. Noch sei der Etat nicht genutzt worden, da bislang viele der Geschädigten private Rechtsschutzversicherungen genutzt hätten, erklärte Fischer. Je nach Verlauf des Verfahren könne es auch möglich sein, dass die Umlage gar nicht verbraucht werden müsse. Inzwischen wären Prozesskosten von insgesamt etwa 80 000 Euro entstanden, erklärte Fischer und stellte klar: "Wer keine Umlage zahlt, kann aber auch nicht die Hand aufhalten, wenn es zu einer Lösung kommt."

Die lässt derzeit noch auf sich warten: Sowohl die beklagten Kreisverbände aber auch der Landes- und der Bundesverband der Volkssolidarität ließen kein Entgegenkommen erkennen, kritisierte IVG-Chef Hörnig. "Wie die Volkssolidarität mit uns umgeht, ist ein Skandal", heißt es beim Verband. Die Anleger hätten der Volkssolidarität vertraut und seien "von Hasardeuren betrogen worden". Jetzt müsse die Volkssolidarität auch Verantwortung übernehmen und wie im Fall Rügen, wo der Kreisverband durch Bundeszuschüsse vor der Pleite bewahrt worden sei, zumindest einen Teil des Schadens ausgleichen. Die Volkssolidarität sollte ihr Motto "Miteinander - Füreinander" endlich einmal ernst nehmen.

Darauf werden die geprellten Anleger wohl noch warten müssen. Vor Herbst sei nicht mit einem Prozessbeginn zu rechnen, meinte Hörnig. Bislang seien fünf Klagen eingereicht worden, sagte Verbraucherschützer Fischer. Etwa ebenso viele sollen in Kürze noch eingereicht werden.

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