Zuglärm raubt den Schlaf

Ortstermin in Boizenburg: Die Mitglieder des Petitionsausschusses Gero Storjohann, Sabine Ursula Stüber und Günter Baumann (v.l.) lauschen dem vorbeirauschenden Güterzug. Katarina Sass
Ortstermin in Boizenburg: Die Mitglieder des Petitionsausschusses Gero Storjohann, Sabine Ursula Stüber und Günter Baumann (v.l.) lauschen dem vorbeirauschenden Güterzug. Katarina Sass

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07. April 2010, 08:05 Uhr

Boizenburg | Alle acht Minuten und 20 Sekunden rauscht ein Zug an den Fenstern von Heinz und Brigitte Friese vorbei. Was das heißt, davon kann das Ehepaar ein Lied singen. In Boizenburg (Kreis Ludwigslust) führt die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und Hamburg direkt durch das Wohngebiet, nur wenige Schritte von den Frieses entfernt. 134 Züge tagsüber und 39 Züge nachts zählen entnervte Boizenburger. Lärmgeplagte Anwohner wandten sich deshalb an den Bundestag. Gestern besichtigten Mitglieder des Petitionsausschusses den Teilabschnitt - ein erster Erfolg für die Anwohner. Denn: Hunderte Petitionen landen im Jahr bei dem Gremium, nicht immer sind Ortstermine selbstverständlich.

Vernünftig schlafen können die Frieses schon lange nicht mehr. Mit 160, maximal 230 Kilometer pro Stunde rauschen die Züge an ihren Fenstern vorbei. "Die Güterzüge sind das Problem, die sind viel zu laut", sagt Harald Friese, der die Petition aufsetzte. Die Anwohner fordern Lärmschutzmaßnahmen, denn diese fehlen bislang. Im Hinblick auf neu gemessene Lärmwerte an der Trasse wird Boizenburg vermutlich schon im Herbst auf der Prioritätenliste des Bundesverkehrsministeriums herauf gestuft. Das kündigte der Leiter des Umweltreferats im Ministerium, Jens Klocksin, an. Allerdings reicht das nicht, um das Gebiet in den nächsten fünf Jahren zu lärmsanieren. Möglicherweise erst viel später. Jährlich stehen dem Bund 100 Millionen Euro für Lärmschutz zur Verfügung. Am effektivsten sei die Lärmschutzwand, wie sie auch an Autobahnen stehen. Diese kosten bis zu 1,5 Millionen Euro.

Ob diese Möglichkeiten für den Boizenburger Bahnabschnitt in Frage kommt, womöglich auch schon früher als 2015, ist jetzt Aufgabe des Petitionsausschusses. Er erarbeitet eine Stellungnahme. "Wir können das Problem der Boizenburger nachvollziehen", sagte Gero Storjohann (CDU), der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses. Das lässt hoffen. In den kommenden Monaten befasst sich dann der Bundestag mit dem Problem.

Die Schnellstrecke Berlin-Hamburg, in die 650 Millionen Euro eingesetzt wurden, sorgte schon früher für Probleme. Vor zwei Jahren mussten hunderttausende bröckelnde Betonschwellen ersetzt werden. Kosten im einstelligen Millionenbereich kamen auf die Deutsche Bahn zu.

Lärmschutz an Bahnstrecken: "Ein Dauerthema", meint Hauke Juranek, "vor allem an stark von Güterzügen befahrenen Strecken. Die Bahn investiere zu wenig, erklärte der Landessprecher das Fahrgastverbandes ProBahn. Dabei reiche es nicht, Lärmschutzwände aufzustellen. Das wirke nur stark begrenzt. Notwendiger sei die Sanierung der Waggons, besonders der Güterzüge. Die Räder der Waggons seien durch die Bremsvorgänge inzwischen oft unrund und verursachten stärke Geräusche. Entsprechende Investitionsprogramme des Bundes zur Umrüstung der Bremsbeläge an Eisenbahnwaggons kämen bislang aber nicht zum Tragen, kritisierte Juranek. "Das Umrüsten der Waggons könnte flächendeckend den Lärm eindämmen und ist billiger als Lärmschutzwände."

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