Schullandschaft MV : Zu viel Werbung für Lehrerberuf?

Der Beruf des Lehrers genießt in MV einen schlechten Ruf. Grund ist oft die schlechte Bezahlung. Das oll sich ändern: Eine Kampagne soll mehr Pädagogen ins Land locken.
Der Beruf des Lehrers genießt in MV einen schlechten Ruf. Grund ist oft die schlechte Bezahlung. Das oll sich ändern: Eine Kampagne soll mehr Pädagogen ins Land locken.

Um die Öffentlichkeitsarbeit des Bildungsministeriums in MV ist ein Streit entbrannt. Grünen-Politikerin Ulrike Berger hält die Lehrerwerbekampagne mit Gesamtkosten von 3,8 Millionen Euro für bedenklich.

Karin.jpg von
17. August 2015, 21:00 Uhr

Noch bis morgen sind Bewerbungen möglich: Das Bildungsministerium sucht, für fünf Jahre befristet, eine Referentin oder einen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit, die oder der ab 2016 in erster Linie für die bundesweite Lehrerwerbekampagne des Landes und das Internetportal www.lehrer-in-mv.de verantwortlich sein soll. Interessenten winkt eine Eingruppierung bis zur Entgeltgruppe E 13 TV-L – also ein Monats-Brutto von rund 3400 Euro.

Das weckt Begehrlichkeiten – und provoziert Kritik. Die bildungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Ulrike Berger, findet die Stellenausschreibung befremdlich. „Während alle Einrichtungen des Landes unter Personaleinsparungen ächzen, scheint die Postenvergabe im Bildungsministerium mit lockerer Hand zu erfolgen“, rügt Berger die geplante Aufstockung des ministeriellen PR-Apparates. Sehr wahrscheinlich sei, „dass auch diese Stelle aus den Bafög-Millionen bezahlt wird. Die Bundesmittel sollen aber der Verbesserung der Bildungssituation zugute kommen – und nicht die Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung finanzieren. Dies wäre hart an der Grenze zur Zweckentfremdung“, meint die Grünen-Politikerin.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) kontert, Frau Berger habe offenbar „Mühe, ein sachliches Thema zu finden“. Er selbst könne nichts Befremdliches darin sehen, wenn ein Bruchteil der Bafög-Millionen in die Lehrerwerbekampagne fließt. „Mecklenburg-Vorpommern hat sich über 20 Jahre bundesweit einen schlechten Ruf unter Lehrern erarbeitet“, so der Minister, der als Gründe dafür das Lehrerpersonalkonzept und fehlende Verbeamtungen ansieht. Um diese Scharte auszuwetzen, helfe keine Eintagsfliege, „sondern nur eine langfristige Imagekampagne“.

Grünen-Politikerin Ulrike Berger allerdings hält es „grundsätzlich für bedenklich, dass die Lehrerwerbekampagne bis 2020 mit Gesamtkosten von 3,8 Millionen Euro fortgesetzt wird.“ Brodkorb zufolge wird aber erst zu diesem Zeitpunkt der Hauptbedarf zu decken sein: „ Über drei bis vier Jahre sind dann rund 700 Lehrer pro Jahr einzustellen.“ Er selbst oder sein Nachfolger würden sich deshalb auch über das Jahr 2020 hinaus mit dem Problem der Lehrergewinnung beschäftigen müssen.

Ulrike Berger hat auch dafür Vorschläge: Auf lange Sicht könne es keine Lösung sein, wenn sich die Bundesländer die dringend benötigten Lehrer gegenseitig abjagen. Stattdessen müssten die eigenen Ausbildungskapazitäten erhöht und das Lehramtsstudium in Greifswald durch eine andere Fächerauswahl wieder attraktiver gemacht werden. „Für eine Million Euro, die der Minister allein 2020 für die Kampagne ausgeben will, könnten 15 Mitarbeiter-Stellen für die Lehramtsausbildung geschaffen werden“, rechnet sie vor.

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