Kita-Vollverpflegung : Zoff um Frühstück, Mittag und Vesper

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Geplante Kita-Vollverpflegung erregt Gemüter. Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung schult Einrichtungen und spricht sich für verbindliche Qualitätsstandards aus.

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10. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Zwangsfrühstück? Überregulierung? Abzocke? Für Roswitha Bley sind solche Kritiken an der ab Januar geplanten Vollverpflegung in den Kitas des Landes nicht nachvollziehbar. „Die ersten 1000 Tage im Leben sind prägend für die Entwicklung eines Kindes. In den darauf folgenden 1000 Tagen wird Erlerntes noch einmal gefestigt. Wenn die Kinder in die Schule kommen, müssen die Grundlagen gelegt sein – auch in Bezug auf eine gesunde Ernährung.“

In der landesweiten Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung, in der Roswitha Bley arbeitet, laufen momentan all die Fragen auf, die sich Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Kita-Träger in Bezug auf die geplante Vollverpflegung stellen. „Sie ist eine große Chance“, betont Roswitha Bley. Bundesweit sei das Land damit Vorreiter und entsprechend unter Beobachtung. Außenstehende, so ihr Eindruck, würden das Vorhaben sehr positiv bewerten.

Betroffene im Land dagegen sehen auch die Schattenseiten. Viele zum Beispiel frühstücken zu Hause mit den Kindern. Da die Vollverpflegung aber nicht abwählbar ist, bedeutet das, dass die Lütten künftig in der Kita noch einmal essen müssen – oder dass die Eltern unter Umständen für ein Frühstück bezahlen, dass ihre Kinder gar nicht in der Einrichtung einnehmen. Das sorgt für Unmut, ähnlich wie die lange Ungewissheit, in der viele Eltern leben mussten bevor sie erfuhren, wie viel die Vollverpflegung tatsächlich kostet.

„Letztlich dreht sich alles um den Preis“, weiß Roswitha Bley. „Da wird zum Teil neu ausgeschrieben, selbst wenn das Essen okay ist und sich die Einrichtungen dafür aussprechen.“ Häufig gebe dann die Gemeinde als Träger den Ausschlag. Probleme gebe es oft auch, wenn der Träger sowohl die Küche als auch die Kita betreibt.

Nicht selten aber haben auch die Einrichtungen bzw. deren Träger einfach nicht rechtzeitig und nicht gut genug gerechnet. Und vor allem: Sie haben es versäumt, die Eltern beizeiten zu informieren und die Elternvertretungen in ihre Entscheidungen einzubinden. So kam es in Schwerin zu einem Proteststurm gegen die geplante Pauschalabrechnung. In Rostock dagagen wird sie offenkundig akzeptiert.

Neben dem Geld ist zunehmend auch die Qualität des Kita-Essens ein Problem, mit dem die Mitarbeiterin der Vernetzungsstelle konfrontiert wird. „Es ist auf jeden Fall berechtigt, dass Eltern fordern, dass die Qualität stimmt, wenn sie schon für eine Vollverpflegung zahlen müssen“, betont die Ernährungsberaterin. So versteht sie die Sorge von Eltern, dass Caterer das Essen nicht jeden Tag anliefern und deshalb statt frischem beispielsweise auch nur abgepacktes Obst und Gemüse bereitstellen könnten. In solchen Fällen müssten sich Kita-Leitung und Elternvertreter zusammentun – „ich habe noch keine Kita erlebt, in der beide zusammen aufgegeben haben, bevor sie eine Veränderung im Sinne der Kinder erreichen konnten“. Notfalls müsse eben der Caterer gewechselt werden. Schließlich läge die Verantwortung für das Essen jetzt wieder in den Kitas. Eltern müssten deshalb auch nicht länger direkt mit dem Caterer Verträge schließen, betont Roswitha Bley.

Dass viele Kitas und Eltern bei der Wahl eines Versorgers ganz bewusst auf die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) achten, freut Roswitha Bley – schließlich ist die Vernetzungsstelle, die vom Land finanziert wird, unter deren Dach angesiedelt. Allerdings hätte sich die Ernährungsberaterin gewünscht, dass das Gesetz noch stärker auf die DGE-Standards abstellt. Jetzt heißt es lediglich, die vorzuhaltende vollwertige und gesunde Verpflegung der Kinder solle sich „an den geltenden Standards der DGE orientieren“.

Qualitätsstandards einzuhalten und gut schmeckendes Essen zu servieren – das muss sich nicht ausschließen, betont Roswitha Bley. Sie kennt die verschiedensten Forderungen, die Eltern an die Kita-Verpflegung stellen: „Die einen wünschen sich glutenfreie Kost, die nächsten laktosefreie, wieder andere vegane, und dann gibt es auch noch diejenigen, die für ihr Kind an jedem Tag Fleisch wollen.“ Da wären wissenschaftliche Leitlinien, wie die DGE sie vorgibt, schon hilfreich. Im Sozialministerium heißt es dazu allerdings, man hätte nicht überreglementieren wollen.

Allerdings: Derzeit sind in Mecklenburg-Vorpommern auch gerade einmal 13 Kitas zertifiziert, die den DGE-Standard umsetzen. Außerdem wurden acht Küchen in der Menülinie „Kitaverpflegung“ zertifiziert. „In letzter Zeit haben die Anfragen zur Zertifizierung aber enorm zugenommen“, so Roswitha Bley. Bereits seit Monaten seien alle entsprechenden Veranstaltungen ausgebucht.

Darüber hinaus müssen sich die Kitas nun auch selbst eine Meinung dazu bilden, was ihnen in puncto Verpflegung wichtig ist. „Genauso wie ein Bildungs- muss es auch ein Verpflegungskonzept geben“, fordert Roswitha Bley. Darin müsse beispielsweise auch festgelegt werden, wie mit Süßigkeiten umgegangen wird und mit den vielen kleinen und großen Festen und Feiern in der Kita. „Es geht aber auch um das Vorbild der Erzieherinnen und Erzieher“, betont Roswitha Bley. Wenn sie statt einer Mittagsmahlzeit nur einen Diätdrink zu sich nehmen würden, müsse sich niemand wundern, wenn schon Kita-Kinder „Diät spielen“.

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