Drastischer Fall der Einwohnerzahlen befürchtet : Zensus 2011: Das große Zittern

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Städte und Kommunen im Land bangen um ihre Einwohner: Im Zuge des Zensus 2011 könnten die Melderegister plötzlich um tausende von Bürgern schrumpfen und damit Steuerzuweisungen in enormer Höhe verloren gehen.

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30. Mai 2011, 08:21 Uhr

Greifswald/Rostock | Städte und Kommunen im Land bangen um ihre Einwohner: Im Zuge des Zensus 2011 könnten die Melderegister plötzlich um tausende von Bürgern schrumpfen und damit für die Kommunen Steuerzuweisungen in enormer Höhe verloren gehen. Allein in MV seien vermutlich rund 10 000 Bürger nur mit Nebenwohnsitz oder mit doppeltem Hauptwohnsitz gemeldet, so der Projektleiter im Statistischen Amt, Reinhard Jonas.

Und nicht nur Privathaushalte stehen im Visier der rund 80 000 Datensammler: Auch die Einwohner der Studentenwohnheime werden genau unter die Lupe genommen. Dies bietet den Universitätsstandorten im Land nun Anlass zur Sorge: Denn viele Studenten, die noch in den Melderegistern stehen, wohnen möglicherweise nicht mehr vor Ort und nehmen es mit den An- und Abmeldungen nicht so genau. So könnten die aktuellen Bevölkerungszahlen, die jetzt ermittelt werden, von denen, die bislang geschätzt wurden, drastisch abweichen.

Das Problem dabei: Wird durch den Zensus 2011 ein Rückgang der Einwohnerzahlen ermittelt, müssen die Städte drastische Kürzungen bei den Geldzuweisungen hinnehmen. So bekommt beispielsweise die Hansestadt Rostock 218 Euro pro Person an Einkommensteuer-Anteil und 658 Euro an Schlüsselzuweisungen und allgemeinen Zuweisungen zugesprochen. Die Verteilung dieser Zuweisungen erfolgt je nach Einwohnerstärke.

Die Universitätsstädte und Hochschulstandorte geben sich vorerst noch optimistisch: Renate Gaede, Leiterin der Erhebungsstelle für die Stadt Greifswald ist zuversichtlich, dass die Ergbenisse des Zensus sich im Rahmen halten würden. 12 300 Studenten sind hier derzeit eingeschrieben. Die Qualität des Einwohnerregisters sei sehr hoch und hätte lediglich eine schwankende Abweichung von der amtlichen Bevölkerungszahl im Bereich von 300 bis 500 Personen nach unten. "Diese Zahl ist auch schon seit vielen Jahren stabil", versichert Renate Gaede. Die daraus folgenden Auswirkungen auf den Haushalt der Stadt könne das Greifswalder Stadtsäckel wohl verkraften: Der mögliche Verlust von 300 bis 500 Einwohnern sei, in Euro ausgedrückt, im sechsstelligen Bereich im Haushalt zwar durchaus spürbar, gesteht sie ein, "aber sicher nicht dramatisch."

Hochschulstandorte vertrauen auf hochwertige Register

Auch die Hochschulstadt Güstrow äußert keine Bedenken, dass die Zahl ihrer Einwohner über Nacht drastisch schrumpfen könne, so ein Sprecher der Stadt. Es würde nicht mit Kürzungen der Zuweisungen gerechnet. Als ein relativ kleiner Studienort, mit lediglich 819 Studierenden, sei aufgrund des dualen Ausbildungssystems eine recht feste Standortbindung vorhanden, bestätigt der Direktor der Fachhochschule, Dr. Bodo Wiegand-Hoffmeister die Einschätzung von Seiten der Stadt. In Neubrandenburg studieren derzeit 2100 Studenten an der Hochschule. Weit mehr als in Güstrow. Dennoch würde die Stadt derzeit nicht davon ausgehen, dass durch den Zensus deutlich geringere Einwohnerzahlen ermittelt werden, so Andrea Hänsch, Sprecherin der Stadt. Die Stadt gleicht monatlich die eigenen Daten mit den amtlichen Einwohnerzahlen vom Statistischen Amt MV ab. "Die Differenz zwischen unserer ,stadteigenen und der amtlichen Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren deutlich geringer geworden, was für ein ,sauberes Einwohnerregister spricht." Auch der Abgleich der stadteigenen Angaben zur natürlichen und räumlichen Bevölkerungsbewegung mit den amtlichen Angaben weise nur geringe Differenzen auf. Außerdem seien die Wahlen immer dafür genutzt worden, Fehler im Melderegister zu bereinigen. Die Wahlbenachrichtigungskarten, die nicht zugestellt werden konnten, seien immer an die Abteilung Einwohnerservice zur Überprüfung übergeben worden, so Hänsch.

Ähnlich entspannt zeigt sich auch Rostock. Hier studieren zur Zeit 16 176 Studenten. In Rostock würde schon immer die Entwicklung der Einwohnerzahlen analysiert und für Planungen zu Grunde gelegt, so Ulrich Kunze, Sprecher der Stadt. Aufgrund dieser Daten erfolgten die Zuweisungen des Landes. Kunze erläutert: "Da der Zensus 2011 ein registergestützter Zensus ist, der durch die Haushaltsstichprobe ergänzt wird, kommen die Grundlagen der Berechnung der zu erwartenden neuen amtlichen Einwohnerzahlen genau aus dem Register, mit dem die Stadt bereits arbeitet und plant."

Trotz des Optimismus: Konkrete Prognosen wagt im Moment noch niemand. Zunächst müsse das amtliche Ergebnis des Zensus abgewartet werden. "Vielleicht nehmen es gerade auch einige Studenten zum Anlass, über die registrierte Hauptwohnung in Greifswald nachzudenken", wünscht sich Renate Gaede. Schließlich würden sie auch längere Zeit in Greifswald wohnen und studieren und viele Leistungen vor Ort in Anspruch nehmen.

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